Pünkchen, Pünkchen, Pünkchen
Der Punk ist ein tragischer Parasit; er schnorrt den an, den er eigentlich verachtet: den Bürger. In Oliver Klucks neuem Stück, das freilich ohne brennende Mülltonnen und gepiercte Oberlippen auskommt, steckt das Punkige allein in der Machart: Der Schnorrer ist der Autor selbst, und der, dem er auf die Pelle rückt, ist Stefan Aust.
Der Spiegel-TV-Gründer tritt bei Kluck gewissermaßen als Zylinderträger eines verflachten Reportagejournalismus auf.
Egal ob RAF- oder Stasi-Geschichte, Politrecherche oder Talkshow – im Verwertungskosmos von Spiegel-TV und seinen Tochtergesellschaften wird jede Indi- vidualgeschichte eingesogen und kommt als mächtiger Worthülsenregen wieder heraus. So sieht es Oliver Kluck und sammelt genüsslich alles auf. Man lauscht Sylt-Urlaubern, die über Punks schwadronieren, oder Hausbewohnern in Berlin-Marzahn, wo nicht nur Stasi-Mitarbeiter, sondern auch die RAF-Terroristin Susanne Albrecht ihre Plattenbauheimat fanden. Man lernt das Talkshowungetüm «Isolde aus Halberstadt» kennen, deren stumpfe Erotik vortrefflich zu Austs Karrierestart bei den St. Pauli Nachrichten zu passen scheint, und so fort.
Das Stück ist eine Addition von Redegesten, mit einer Klammer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2012
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Christian Rakow
Neulich rief ein Intendant beim polnischen Nachwuchsdramatiker Michal Walczak an. Das Theater wolle seine schwarze Komödie «Elchjagd» spielen. Und man habe auch schon eine gute Idee, das Stück umzuarbeiten. Der Elch sei ja eher der Typus eines einsamen Tieres, «für das Stück wäre ein Tier besser, das sympathischer, familienfreundlicher ist ... Wir könnten aus der...
Die Gehilfin räumt auf. Es soll ja alles spurenfrei und sauber sein für «Die Unter–richtsstunde» im Theater Basel. Eine frische Schülerin läutet. Schnell den Tisch gewischt, eine herrenlose Tasche in die Truhe gepfeffert, die alten Formeln auf der Tafel ausgelöscht, das Transistorradio in der Schürze abgewürgt. Schon stiefelt die Haushälterin (Nikola Weisse) zur...
Vom Ehrenbreitstein, also von hoch oben aus gesehen, scheint unten am Rheinufer im Großenganzen alles in Ordnung: Der Intendant macht gängiges Programm, sein teuer renoviertes Theater, eine historische Kostbarkeit, ist beliebt in der Stadt. Und zum Start in die neue Saison gibt’s ganz gutbürgerlich und massenkompatibel das große Format, klassisch. Auch die dritte...
