Keep hanging on
Zurzeit ist es schwierig, jemanden aus der New Yorker Theaterwelt ans Telefon zu bekommen. Seit zwei Monaten redet die Stadt über nichts anderes als den Zusammenbruch der Wall Street, den globalen Finanz-Meltdown, steigende Arbeitslosenzahlen und die anstehende Kreditkartenkrise. Erst seit der Wahlnacht ist die Stimmung besser, und die Obama-Euphorie möchte man sich von einem deutschen Kulturjournalisten nicht trüben lassen. Vor allem, wenn er gerade über das Thema sprechen will, das im Begriff ist, New Yorks Kulturszene auf den Kopf zu stellen.
Die schlimmste Rezession, die man in den Staaten seit 1929 erlebt hat, wird mit großer Wahrscheinlichkeit das Existenz-Aus für eine Reihe von New Yorker Theatern bedeuten. Hinter vorgehaltener Hand befürchten viele Szenemacher sogar ein regelrechtes Theatersterben. Ob es sich dabei um Alarmismus oder Realismus handelt, ist nur schwer abzuschätzen, denn in einer solchen Situation hat man sich einfach noch nie befunden. Der Effekt ist zunächst ein neues strategisches PR-Fingerspitzengefühl. Die Binsenweisheit, dass man über Geld nicht spricht, scheint erst recht dann zu gelten, wenn dieses richtig knapp wird.
Bankrott der Spender
Selbst ...
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Dieser Monolog hat ja eine eigenartige soghafte Qualität. Ein Rausch der Brutalität, gehetzt, sprachlich verdichtet und zur mystischen Selbstauflösung überhöht. «Juli» von Iwan Wyrypajew (1974 in Ostsibirien geboren) spielt in naher Zukunft, im Jahr 2013 in der Irrenanstalt von Smolensk. Und es spielt in unseren Tagen; denn der dannzumal 63-jährige Ich-Erzähler...
Er kann eigentlich ganz anders sein, und es scheint, als käme er auch gar nicht mehr so selten dazu. Gewiss, «die Angst des Schauspielers vor der Bühne», wie Michael Wittenborn sagt, ist weiterhin da. «Wenn ich nicht die Freiheit hätte, wegzulaufen, dann würde ich da nicht rausgehen.» Nichts größer als sein Wunsch, die abendliche Vorstellung möge, durch welche...
Wer früher stirbt, ist nicht nur länger tot, sondern muss sich auch häufiger wiederentdecken lassen. Nun haben gleich zwei deutsche Theater Frühwerke von Bernard-Marie Koltès für Erstaufführungen aus der Vergessenheit auf die Bühne geholt. In seinen Zwanzigern hatte sich der französische Dichter und Theatermacher mit den großen Antihelden der europäischen Theater-...
