Äh, irgendwie, keine Ahnung
Vielleicht sollten sich Theater, anderen Unternehmen folgend, mal für das Instrument der freiwilligen Selbstverpflichtung interessieren. Zum Beispiel so: «Wir, Regisseure, Schauspieler, Dramaturgen, Textbearbeiter, verpflichten uns freiwillig, in der Spielzeit 2008/09 probeweise auf allen Authentizitätssprech, insbesondere auf Verwendung von Ausrufen, Wörtern und Wortgruppen wie ‹äh›, ‹nee›, ‹weiß nich›, ‹keine Ahnung› und ‹irgendwie› zu verzichten.»
Das wäre schön.
Denn diese «spontane» Form draufgeschaffter Improvisationskunst im Zustand kompletter Unterspannung hat ihren vorläufigen Zenit mit Stefan Puchers und Jens Roselts Bearbeitung des Fritz-Lang-Films «M – eine Stadt sucht einen Mörder» erreicht. Spätestens beim letzten von drei Monologen, die Peter Moltzen und Daniel Lommatzsch zwanzig Minuten lang Fritz-Lang-frei und überwiegend aus obigen Versatzstücken zusammenmontiert von der Rampe runterstammeln. Da geht es unter anderem Bedrohlichen um einen Vielleicht-Terroristen im Flugzeug, der verdächtigerweise Joghurt mit der Gabel isst: Beleg für die unzureichende Bereitschaft des «Publikums», einzugreifen, wenn’s brenzlig wird. Quod erat demon-strandum: Unmutskundgebungen ...
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«Nix g’wies woas ma net», sagte die Dame hinter mir sehr gelassen beim Rausgehen und hatte damit das Wesentliche zusammengefasst. Dazu muss man sich allerdings in die Feinheiten der Münchner Grammatik begeben. Denn «nichts Genaues weiß man nicht» heißt eben trotz der doppelten Verneinung keineswegs, dass man was wüsste. Im Gegenteil: je doppelt verneinter, desto...
Theater heute Stefanie Carp, Sie sind im zweiten Jahr Schauspieldirektorin der Wiener Festwochen. Sie hatten Marie Zimmermann schon 2005 vertreten, als sie «Theater der Welt» kuratiert hat und sind jetzt ihre Nachfolgerin. Vorher waren Sie lange in wichtigen Zeiten an wichtigen Stadttheatern, waren Dramaturgin, als Frank Baumbauer das Deutsche Schauspielhaus...
Silberhöhe … Der Name schmilzt auf der Zunge. Vor Ort übliche Synonyme klingen weniger lieblich: Silberhölle, Silvercity, auch Hartz-IV-Ghetto. Gemeint ist dieses Neubaugebiet im Süden von Halle. Als hier noch boomendes Chemie-Gift die Gegend verseuchte, schossen die Plattenbauten wie Pilze aus dem Boden. Taiga ringsum. Von damals 39.000 Einwohnern leben heute noch...
