Der Hamlet von Ostwestfalen
Heimat steht nicht hoch im Kurs im ach so progressiven deutschen Theater. Was soll man da mit einem Stück anfangen, das den Mittelteil einer «Heimattrilogie» stellt, wie «Dogland» von Nuran David Calis? Wie schon bei seinem Erstling «Dog eat Dog», der vor zwei Jahren am Thalia-Theater uraufgeführt wurde, ist der Ort der Handlung die Bielefelder Plattenbausiedlung Baumheide. Dort ist Calis als Sohn armenisch-jüdischer Eltern aufgewachsen. «Dog eat Dog» handelte von der Sehnsucht nach einem Leben jenseits von Baumheide. Nachts hielt hier ein Bus, der nach Süden bis ans Meer fuhr.
«Dogland» nun erzählt nicht mehr von Träumen, sondern von der Heimkehr und von der spießigen Kleinbürgerlichkeit derer, die geblieben sind. Vor zehn Jahren hat Memo (Andreas Hilscher) die Heimat verlassen. Er wurde Legionär, ohne Grund und Entschuldigung. Seine Rückkehr aber hat einen Grund. Als er in den Krieg zog, starb sein Vater Massud. Bis heute hat er keinen Grabstein. Memo hat einen Stein mitgebracht, er will seinem Vater einen Grabstein hauen.
Wie in Stein gehauen steht auch Memo auf der Bühne. Breitbeinig und mit auf der Brust verschränkten Armen. Wie in Stein gehauen stehen meist die anderen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Es gibt da diese eine These, die man im letzten Jahr mehr und mehr hörte, sobald die Rede auf Fernsehen und Kino, auf Stars und TV-Sternchen kam. Das Fernsehen sei mittlerweile interessanter, wenn nicht gar «besser» als das Kino. Noch hat diese These mehr den Status eines Gerüchts; man hört das immer wieder, aber man weiß nicht so recht, ob es nun wirklich stimmt....
Sechs Jahre nach dem Ende des Krieges waren Fritz Kortner, Bertolt Brecht, Wolfgang Langhoff, Berthold Viertel, Ernst Deutsch, Carl Zuckmayer, die bekanntesten von denen, die 1933 ins Exil gegangen waren, längst wieder im Land. Die deutschen Theater spielten volles Programm, viele noch auf Behelfsbühnen – aber der Wiederaufbau ihrer zerstörten Häuser kam in Gang....
Aalen scheint sich als Karrieresprungbrett für junge Intendantinnen zu etablieren. Simone Sterr, die im Team mit Ralf Siebelt und Winfried Tobias einfallsreich und mit Erfolg das kleinste und jüngste Stadttheater Deutschlands einem breiteren Publikum öffnete, wurde schon nach drei Jahren weg engagiert ans Landestheater Tübingen. Die Neue ist Katharina Kreuzhage,...
