Dortmund: Ringparabel, my ass
Die Regeln sind einfach: Sei cool, verdiene überdurchschnittlich, sieh gut aus und steh über den Dingen, also Dingen wie Herkunft oder Religion. Trage diese nur als Accessoire, als koketten Hauch von Authentizität. Amir und Emily, Jory und Isaac haben die Regeln verinnerlicht und entsprechend uniform treten sie auf: leichenblass, weißblonde Haare, rote Vampiraugen und mit unerträglich guter Laune gesegnet.
Es sind grelle Comic-Bilder, die Regisseur Kay Voges und sein Team am Schauspiel Dortmund für Ayad Akhtars fies durchkomponiertes Upper-Class-Szenario «Geächtet» (abgedruckt in TH 3/16) finden. Droht ein Ausrutscher, etwa der Verdacht auf Orientalismus oder Identitätsverschleierung, jault eine Alarmsirene, und die Flaggen Pakistans, der USA, Israels und der Afrikanischen Union blinken als bühnenfüllende Projektionen panisch durcheinander (Video-Art Mario Simon).
Ayad Akhtars Konversations-Tragikomödie «Geächtet», in der ein gepflegtes Upper-Class-Intellektuellen-Dinner im Religionskrieg endet, ist am Broadway ein Megaerfolg und wurde 2013 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Die deutschsprachigen Bühnen entdecken es erst jetzt – muss an der Zeitverschiebung liegen –, dafür ...
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Theater heute April 2016
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Cornelia Fiedler
Dieses Amt ist kein Spaziergang. Die fiktive dänische Ministerpräsidentin Birgitte Nyborg wird in den ersten beiden Staffeln der Fernsehserie «Borgen» (benannt nach dem Kopenhagener Regierungssitz Christiansborg) nach allen Regeln der Macht in die Mangel genommen: Ihre Ehe zerbricht im Zeitraffer, beide Kinder bekommen psychische Probleme, selbst ihren besten...
Aufführungen
Er war der erste, der sich an die ganz, ganz dicken Schmöker getraut hat: Frank Castorf, der seit zwanzig Jahren nicht nur Dostojewski zu langen, langen Theaterabenden kompiliert. Am Münchner Residenztheater hat er sich jetzt Jaroslav Haseks 1000-seitigen Schelmenroman «Die Abenteuer des guten Soldaten Svejk im Weltkrieg» vorgenommen, Länge des Abends...
Ödipus hat eben noch Nachrichten geglotzt. Das Volk rotte sich auf den Straßen zusammen, berichtet er seiner Gattin Iokaste, die zwar eben noch einen Apfel geschält, aber, als Ödipus endlich ins Schlafzimmer tritt, längst die Hoffnung auf einen Sündenfall aufgegeben hat. Sie liegt im Bett, er macht sich bettfertig. Eine Lage zum Vergessen, wer hier der Regent ist...
