Deutscher Geist
Ohrenbetäubendes Unheilsdröhnen, Gewitterbeats und elegisches Gewummer. Dazu dreht sich ein metallbeschlagenes viereckiges Monstrum in der Bühnenmitte, um das sich auf Kniehöhe eine kleine Sünderbank schlängelt. Das Licht im neblig trüben Raum kommt nur funzelig von oben und leuchtet steil wie in eine Untergangskathedrale. Drunten auf dem Bühnenboden kringeln und krümmen sich die Menschlein. Wen es hierher verschlagen hat, ist in den verschiedenen Höllenkreisen, die diese Welt anzubieten hat, schon ziemlich tief gesunken.
Gleich zu Beginn hängt eine schreiende Person im Halbdämmer wie gekreuzigt mit blutigem Bauch an der Blechwand, der eine zottelige Gestalt irgendetwas in die Seite rammt. Es ist zwar nur der Bader (Hilfsdoktor) beim wassersüchtigen alten Rottbauern, sieht aber aus wie mittelalterliche Kerkerfolter. Es geht um «Glaube und Heimat», Regie Michael Thalheimer.
Wer hat Angst vor Karl Schönherr? Der Tiroler Schriftsteller (1867–1943) mit Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof, dem NS-Reichsdramaturg Rainer Schlösser 1933 «blutechtes, bodenständiges Schaffen» bescheinigte und der den «Anschluss Österreichs» 1938 in zierlich feiernde Verse fasste, schrieb wuchtige ...
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Theater heute Februar 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 20
von Franz Wille
Seit die neue flämische Regierung am 8. November eine weitere Runde von Kürzungen der Kunst- und Theatersubventionen angekündigt hat, überschwemmt eine beeindruckende Protestwelle die Meinungsseiten und den Eingang des Parlaments. Bei dieser Konfrontation unterscheiden sich zwei Strategien von den Vorjahren: die Solidarität der Künstler mit anderen betroffenen...
Sebastian Zimmler erzählt aus dem Theateralltag. Repertoirevorstellung am Hamburger Thalia, er spielt in Christopher Rüpings gegen Ende etwas mäandernder Inszenierung von Benjamin von Stuckrad-Barres «Panikherz», Unruhe im Saal. Und kurz nach der Pause nölt eine Stimme aus dem Publikum: «Laaaaaaaangweilig!» «Ich habe gecheckt, okay, das ist ein Schüler, der sitzt...
Der Captain hat sich in einer Bude aus Kissen verschanzt und liest, während die MS Futuro durch die unendlichen Weiten des Weltraums gleitet. Data Luv erklärt die Gemeinschaft der Zukunft, in der alle machen, was sie am besten können:
Eine*r macht Aufstrich für alle. Zwei schrubben das Deck. Und der Nächste bereitet einen Tanzworkshop vor. Und wenn der Captain...
