Düsseldorf: Rumpelstilzchen rast
Das Römische Reich ist schon zur billigen Jahrmarktsbudenattrappe (Bühne: Barbara Steiner) geworden, als Kaiser Caligula nach dem Tod seiner inzestuös geliebten Schwester Drusilla zitternd, zermatscht und zerlumpt auf der rosa Riesenluftmatratze angekrochen kommt, die seinen Palast bis dahin mit süßlich-ignoranter Sinnlosigkeit gepolstert hat. Man kann Camus’ historischen Vorbildkaiser, der von 37 bis 41 willkürlich wütete, als Vorboten des Niedergangs eines Staates lesen, dem es zu gut ging.
Folgerichtig werden in Düsseldorf ein wenig schulmeisterlich die gewaltigen Flächenauswüchse Roms auf der stets mit großem Gong herabfahrenden Leinwand nachgezeichnet, folgerichtig ist auch bald schon die Luft aus der Matratze gelassen.
Auch wenn das Imperium erst drei- bis vierhundert Jahre später real in Trümmern lag, gilt «Caligula» als wüstes Gedankenexperiment über den Rausch der Maßlosigkeit, der Menschen passieren kann, die Macht, Geld und Langeweile haben – und dann noch eine wertesprengende Zeitenwende erleben. 1938 schrieb Camus das Stück, und auch wenn Caligulas Massaker von den realen Tyrannen des 20. Jahrhunderts locker überholt wurden, setzt er doch eine immer noch gültige ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juni 2018
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Dorothea Marcus
In einem Innsbrucker Linienbus fahren jeden Abend zwei junge Schauspieler zur Arbeit. Der eine spielt in Felix Mitterers «Kein Platz für Idioten» einen behinderten Jungen; die andere gibt die «zruckbliebene» Beppi in «Stallerhof» von Franz Xaver Kroetz. «Zwei Deppen also in einem Bus», erinnert sich Mitterer, selbst einer der beiden Deppen – er war in seinem...
Es ist eine Art Lackmustest für Jo Fabian, der seit dieser Spielzeit neuer Schauspieldirektor in Cottbus ist und das Publikum für seine Art von Theater erst noch gewinnen will und muss. Nach zwei eigenen Regiearbeiten – «Wilhelm Tell» und «Onkel Wanja» –, die sich beide an klassischen Dramentexten orientieren, ruft er nun zum Aufbruch, zur «Terra In Cognita». Ein...
Ihr erreicht nichts, weil Ihr Euch gar nicht anstrengt», beschimpft Angélica Liddell das Publikum. «Selbstzufrieden macht Ihr andere verantwortlich für Eeure Unzulänglichkeit, Euer Scheitern. Mittelklasse der Schande und des Neids, sparsam, fleißig und familienorientiert. Ehrliche Leute ... je vorbildlicher Euer Leben ist, desto verdorbener werdet Ihr durch...
