Osnabrück: Rutschpartie

Azar Mortazavi «Sammy und die Nacht» (U)

Theater heute - Logo

Eine deutsche Kleinstadt Anfang der 80er: Maria und Omid haben sich mal geliebt, haben zusammengelebt. Nun leben sie nur noch aneinander vorbei. Maria schuftet in einem Krankenhaus und lässt ihren Mann spüren, dass sie die Kohle ranschafft. Omid lässt sein Studium schleifen und seinen Nebenjob als Hausmeister sowieso.

Er ist vor der islamischen Revolution und dem Krieg zwischen Iran und Irak nach Deutschland geflüchtet, aber der Krieg ist ihm gefolgt: Er schläft nachts nicht, er geht tagsüber nicht vor die Tür. Und wenn doch, dann ist er mit Alltagsrassismus konfrontiert.

Er meidet die Nachrichten im Radio, er fürchtet sich vor dem Klingeln des Telefons. Weil seine Mutter dran sein und ihm Fürchterliches aus der Heimat berichten könnte. Dass er sein Land im Stich gelassen hat, macht Omid ein schlechtes Gewissen, und so kümmert er sich um andere Flüchtlinge, allen voran um den kriegstraumatisierten Sammy. Mit ihm und den anderen hockt er stundenlang zusammen und qualmt die eheliche Wohnung zu.

Maria ist das unangenehm vor den Nachbarn, wie ihr überhaupt alles unangenehm zu sein scheint. Sie schämt sich für ihren Migrantenmann: für das fremd klingende Stimmengewirr im Treppenhaus; ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2015
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Tobias Becker

Weitere Beiträge
Zittau: Der Staub rieselt

Schon im Foyer des Theaters begrüßt die Besucher Musik aus der guten alten FDJ-Zeit und setzt damit eine erste Duftmarke, was an diesem Abend, 25 Jahre nach der friedlichen Revolution, verhandelt wird: deutsch-deutsche Zeitgeschichte. Das war dem Theater Görlitz-Zittau sogar einen Schreibauftrag wert: «Indianer». Oliver Bukowski, der 1993 mit «Londn – LÄ –...

Mannheim: Endstation Supermarkt

Es ist ein magischer Moment der Jugend, den Roland Schimmelpfennig als Ausgangssituation wählt, wenn er in seinem neuen Stück Miniaturen möglicher Lebensentwürfe kreuzt: Siebzehn Jahr, blondes Haar und nichts wie über den Zaun des kommunalen Schwimmbads, dann rein ins nachts so dunkle Wasser und in ein Abenteuer, in dem plötzlich auch Jugendliche mit Namen wie...

München: Im Nebelregen

Vielinszenierer im besten Alter packt ab und an die Sehnsucht, mal alles ganz anders zu machen. So hat Stephan Kimmig seit einiger Zeit den Tanz als Ausdrucksform für seine Schauspielinszenierungen entdeckt, und umgekehrt rückte nun der notorische Körperspieler und Slapstick-Liebhaber Andreas Kriegenburg die gebundene Sprache ins Zentrum seiner neuesten Arbeit an...