Im Café today
Wer zur Zeit und bis ins «Kulturhauptstadt»-Jahr 2010 hinein auf der A 40 von und nach Bochum fährt, gerät ins Stocken. Eine beidseitig kilometerlange Baustelle macht die verengte Spur zur Slalomstrecke, hier ein blockierter Abzweig, dort eine unplanmäßige Ausbuchtung, mal eine Sperrlinie, eine Hemmschwelle, eine wie aus dem Nichts auftauchende Kurve. Vielleicht ist der Intendant des Bochumer Schauspielhauses dieses Stück Autobahn einfach zu oft gefahren.
Denn irgendeine Erklärung muss es geben, weshalb das Theater des Elmar Goerden sich in einem derartigen Zustand befindet und in solche Konfusionen manövriert, wie der Saisonauftakt mit dem «Kaufmann von Venedig» – wieder – zeigte.
Es beginnt damit, dass die Zuschauer mit Verdis «Traviata» empfangen werden, eine Sängerin (Franziska Dannheim) das «Addio del passato» der Violetta singt und im Verlauf der zwei Stunden immer mal wieder ein musikalisches Stelldichein gibt, als würde Pirandello statt Shakespeare gegeben. Die Arien lassen keinerlei Bezug erkennen. Diese Linienuntreue setzt sich fort. Eine aufgekratzte Party-Meute, auch sie gerne Lieder anstimmend, hat es sich in einer Gelateria bequem gemacht, deren silbrige ...
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Zugegeben: ein Stück aus dem Giftschrank der Theaterliteratur, ein Spätwerk Shakespeares (aller Wahrscheinlichkeit nach aus den Jahren 1605 bis 7/8), das er selbst nie aufgeführt hat. Viele Philologen glauben, dass Shakespeare die Arbeit am Werk vorzeitig abbrach, manche gehen davon aus, dass einige Szenen der ersten Druckfassung von 1623 von anderen Autoren...
Früher war es einfach selbstverständlich, gegen den Kapitalismus zu sein. Was müssen das für Menschen sein, die allen Ernstes Spaß daran haben, Geld zu machen, dachte man. Das war so absurd, wie den FC Bayern München zu unterstützen. Ich erinnere mich noch, es war Ende der 90er, als ich mit ein paar Freunden in einem Berliner Café saß und eine Ausgabe der...
Bombastische Rockmusik. Das Skelett einer Kirche. Nebelschwaden. Ein einsamer Männerschatten zeichnet sich am Bühnenhorizont ab, wandert nach vorn an die Rampe und sagt «Krieg». «Krieg, Krieg, Krieg, Krieg, Krieg.» Die Platte des Propheten hängt. Peter René Lüdicke artikuliert weitere zweihundert Mal «Krieg», gefolgt von heikleren «Hungersnöten» und...
