Glück der Nische
Wie sie das tut, ist die noch größere Überraschung. Wo Hanna Schygulla immer weiter ins Ätherische driftet, wie ihr Auftritt in Fatih Akins letztjährigem Melodram «Auf der anderen Seite» anschaulich macht, steht Barbara Sukowa mit beiden Beinen auf dem Boden. Und lacht dabei. Groß geworden nach Fassbinder ist sie in Filmen von Magarethe von Trotta, «Die bleierne Zeit» und «Rosa Luxemburg», in denen sie Frauen spielte, deren Strenge aus der Kompromisslosigkeit resultierte, das politische Denken auch gegen sich selbst in ein Handeln zu übersetzen.
Glanz der Spielfreude
In «Die Entdeckung der Currywurst» darf Barbara Sukowa nun eine Figur spielen, die einen pragmatischeren Umgang mit dem Kategorischen am politischen Imperativ pflegt: Ihre Lena Brücker hat sich arrangiert mit dem Umstand, dass sie die Nazis ablehnt, ohne sich mit den Nazis zu arrangieren, unter denen sie leben muss. Sie taucht weg und schmuggelt heraus was die Küche, in der sie arbeitet, hergibt. Eine unabhängige Frau, die auf sich gestellt ist und allein ihren Gefühlen folgen kann, weil Mann und Sohn im Krieg sind. Eine selbstbewusste Frau, die die Arbeit eines Mannes verrichtet, von der sie erst durch dessen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das könnte Sie auch interessieren:
Die Kunst des Zeitsprungs - Barbara Sukowa im Gespräch
Michael Merschmeier Martina Gedeck, wir treffen uns hier in der Halle des Hotels Reichshof neben dem Schauspielhaus um viertel vor acht abends – Sie kommen gerade von der Probe für «Harper Regan» ...
Martina Gedeck ... ja, wir probieren «englisch», das heißt ab morgens um zehn, dann haben wir mittags eine Stunde Pause, und es geht weiter bis um 18.30 Uhr. Keine...
Der Mensch sei eine Bestie, behauptet der Dichter. Aber nacktbäuchig ist er doch recht lustig anzusehen, entgegnet der Theatermacher. Das ist so der Diskurs zwischen Stephan Bachmann (geboren 1966) und Pedro Calderón de la Barca (geboren 1600, gestorben 1681), den sich der Zirkuszeltbesucher in einem Park direkt am Alsterufer im eher geschniegelten Hamburger...
Klaus Dermutz Herr Stein, von Klaus Michael Grübers «Sturm» 1969 in Bremen waren Sie nicht angetan?
Peter Stein Nein, seinen «Sturm» fand ich nicht so toll, ein bisschen fantasievoll, ein bisschen verrückt. Diese Einschätzung kommt natürlich auch daher, dass ich Regisseur bin und vom «Sturm» andere Vorstellungen habe. Auch waren die schauspielerischen Leistungen...
