Grenzen überschreiten
Naz muss sich von Indien nach London durchschlagen und findet als moderner Sindbad Trost und wohl auch Ermutigung bei dessen Geschichten. Er ist «Der Junge mit dem Koffer», in Mike Kennys Stück ein Entwurzelter schon in jungen Jahren. Die Produktion des Schnawwl Mannheim ist nicht nur Beleg dafür, dass sich auch im Kindertheater der Blick in die Welt weiten kann, sie ist auch eine Koproduktion und Resultat schon länger währender, manchmal nicht unkomplizierter Zusammenarbeit mit dem Ranga Shankara Theater in Bangalore.
Koproduktion meint hier, dass tatsächlich etwas zusammen gemacht wurde, was auf der Bühne sogar noch sichtbar bleibt, wenn der englisch sprechende Naz des jungen Schauspielers B.V. Shrunga durch den Mannheimer David Benito Garcia gedoppelt und erläutert wird, wenn die indische Musik sich in das balladenhafte Erzähltheater einbringt und Andrea Gronemeyers Regie das Ganze noch so balanciert, dass es so leicht wie eben erst ausgedacht wirkt.
Auch «Weiße Magie» von Gintersdorfer/Klaßen (vom MOKS Theater Bremen) ist eine zweisprachige Aufführung, in der der ivorische Darsteller Gotta Depri schwarze und weiße Magie vergleicht, also den afrikanischer Zauber ...
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Theater heute Juli 2013
Rubrik: Magazin: Jugendtheaterfestival, Seite 69
von Thomas Irmer
Mit dem Vater ging ich zum Flugtag auf der Vahrenwalder Heide, dem alten hannoverschen Flughafen. Vielleicht noch Ernst Udet, sicher aber die aus Hannover stammende Fliegerin Elly Beinhorn zeigten ihre Luft-Kunststücke. Mein Vater kaufte mir einen Luftballon samt einer dranzubindenden Karte, die er mit meiner Adresse versah. Denen, deren Karten am weitesten flogen...
Auf dem Hamburger Kampnagel-Gelände steht ein riesiger Sperrholzkasten: «Machina Recordatio», ein stilisierter Schalltrichter, aus dem brüchige Stimmen dringen. Unzählige Interviews sind das, mit alten Menschen aus Dresden, Berlin und Hamburg, und in der «Erinnerungsmaschine» lassen sie sich abrufen, geordnet nach Stichworten von «Abbauen» über «Frauengruppe» bis...
Heimkommen kann traumatischer sein als Aufbrechen. Wut und Schwung sind aufgebraucht, die kühnsten Träume haben sich in Asche verwandelt, und die Kräfte reichen gerade noch, um ins kalte, längst nicht mehr gemachte Bett zurückzukriechen – so es irgendwo noch so etwas wie ein Elternhaus gibt – oder sich auf dem Familiengrab einschneien zu lassen. Zumal, wo sich die...
