Toter Rabe
In Mannheim nimmt man es mit den Jahreszeiten nicht so genau. Deshalb kann auch mitten im Winter plötzlich der Herbst ausbrechen. Oder wieder Sommer werden. Der fällt allerdings in der Uraufführung von Rebekka Kricheldorfs «Landors Phantomtod» genauso trist aus wie besagter Herbst. Überall totes Laub und Menschen mit Regenschirmen und -mänteln, die in einer verschachtelten Wohnungslandschaft ihren Weg und zumeist auch irgendwie sich selbst suchen.
Landor, «ein Historiker mit Hang zu Ludwig dem Fünfzehnten», sitzt am eigenen Grab und hört Wilson zu, der als Grabredner die letzten Worte für ihn spricht. Nur dass Landor sich noch erstaunlich lebendig fühlt und auf seine Existenz pocht. Aber die kann er nicht beweisen, und so will ihm keiner glauben. Und ein bisschen zweifelt er schließlich auch selbst.
Viel besser ergeht es auch den anderen nicht. Wilson, laut Kricheldorfs Personenbeschreibung «ein Romantiker», sucht das Erhabene, das Außerordentliche, und findet Lalande, die Frau mit der Maske, die gerne gewöhnlich sein möchte, aber Wilsons Verklärungsmanie zum Opfer fällt. Sie ist zudem Landors verlorene, vielleicht auch nur vergessene Tochter, aber das spielt eigentlich keine ...
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