An der Wir-Basis
Wer sich an Elfriede Jelineks Flüchtlingsklage «Die Schutzbefohlenen» wagt, hat im Grunde gar keine Chance, mit weißer Weste aus der Inszenierung hervorzugehen. Schließlich besteht die luzide Qualität des Textes gerade darin, die europäische Debatte um Asylsuchende, Grenzschutzpraktiken à la Frontex und moralisches versus paragrafisches Asylrecht angemessen dilemmatös auf den Punkt zu bringen.
Was, zum Beispiel, schon damit beginnt, dass Jelinek – die Besetzung der Wiener Votivkirche durch Flüchtlinge im Herbst 2012 auf der Folie der Aischyleischen «Schutzflehenden» gewohnt ausgreifend ins Grundsätzliche weitend – als Quasi-Vertreterin der europäischen Gated Community Europa weite Textstrecken aus der Perspektive eines Flüchtlings-Wirs bestreitet.
Nicolas Stemann hatte genau dieses Dilemma in seiner Uraufführung (siehe TH 07/2014) zum Thema gemacht, Jelinek nötigenfalls auch mal ein paar Millimeter weiter (oder auch gegen Jelinek) gelesen und die Flüchtlingsproblematik mit ihrer (Nicht-) Darstellbarkeit im Repräsentationsmedium par excellence zu einer Art Metatheater des strukturellen Scheiterns zusammengedacht.
Der Flüchtling als Pappaufsteller
Verglichen damit plagen den ...
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Theater heute Februar 2015
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Christine Wahl
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