Mühen in der Mühle
Wenn auch der Dichter Brecht gegenwärtig keinen entscheidenden Einfluss mehr auf die Literatur der Gegenwart hat und seine Stücke zwar weiterhin gespielt werden, aber kaum Impulse für das zeitgenössische Theater liefern, reißt die Flut der Sekundärliteratur nicht ab, da seine Werke beliebter Schulstoff sind und die Germanistenzunft noch zündende Funken aus ihnen zu schlagen versucht.
Der Hanser Verlag veröffentlichte 2012 sehr vollmundig «die erste große Biografie über Brecht nach der deutschen Wiedervereinigung» von Jan Knopf, die sich aber im Wesentlichen auf die frühen Jahre konzentrierte, den nicht so bekannten Brecht der DDR nur flüchtig streifte und die «Mühen der Ebenen» des versuchten Sozialismus in der DDR, in die «der arme B.B.» ja nicht nur marginal verstrickt war, so gut wie ausblendete.
Brecht gehörte ja zu der Spezies von West-Remigranten, die sich ganz bewusst für eine Rückkehr in das «andere» Deutschland entschieden und dort nicht den Westen, sondern mehr Sozialismus und «die Weisheit des Volkes» anmahnten. Werner Hecht hat kürzlich mit einer Publikation im Aufbau Verlag dieses nicht ganz unwichtige Kapitel «Brecht und die DDR» aufgeschlagen und – detailliert neue ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Februar 2015
Rubrik: Magazin Brechtwissenschaft, Seite 61
von Klaus Völker
Mit der Eintrittskarte zum Theaterprojekt «The Cherry Orchard» erhalten die Besucher einen weißen Mundschutz. In Tokio sind diese Masken alltäglich, nicht nur in der Grippezeit und im Verkehr. Auffallend viele junge Frauen, aber auch Männer schützen sich damit – nicht nur vor Abgasen und Viren, sondern auch vor Blicken. Manche sparen mit der Maske auch das Make-up,...
Mit Reenactments ist es so eine Sache. Selbst wenn man zum Zweck kritischster Draufschau rassistische, sexistische, antisemitische oder sonstwie mensch- oder tierverachtende Ereignisse aufführend wiederholen und idealerweise erkenntnisstiftend durcharbeiten möchte, macht man sich zum Komplizen des Heraufbeschworenen. Das können auch gezielte Brechungen – Beispiel:...
Es war am 12. November um 15:02 Uhr, ich weiß das so genau, weil ich auf einer Leiter stand und gerade unsere Küche strich, da klingelte das Telefon. «Morgen schreib ich, dass man das Neumarkt ganz anders machen sollte! Alle raus, nur noch Freie rein, einer wie Samuel Schwarz soll das leiten. Oder gehst du etwa noch ins Neumarkt?», sagte mein Ex-Chef vom Zürcher...
