Kern-Aussagen stärken!
Michael MerschmeierHerr Trittin, Sie gehen gern und häufig ins Theater – nicht gerade
üblich für einen Politiker.
Jürgen TrittinDas resultiert aus einer biografischen Vorschädigung. Ich hab beim Schultheater mitgespielt – zum Beispiel den Kai in «Kai aus der Kiste», Branco in «Die rote Zora» oder im «Gespenst von Canterville». Das hat mir großen Spaß gemacht. Später war ich dann Leiter einer Theatergruppe in einem Jugendfreizeitheim, so etwas gab es damals noch.
MMIn Göttingen?
JTNein, das war noch in Bremen.
Der Intendant hieß Kurt Hübner, Wilfried Minks revolutionierte die Bühnenbild-Ästhetik, und es gab dort junge, hoffnungsvolle Schauspieler namens Bruno Ganz und Edith Clever.
MMSie sind Jahrgang 1954. Da haben Sie also die ganz große Zeit des Bremer Theaters erlebt.
JTGenau. Ich war bei der Eröffnung der Experimental-Bühne «Concordia» dabei und habe die Wieder-Uraufführung von Marieluise Fleißers «Die Pioniere in Ingolstadt» gesehen …
MM… Regisseur Rainer Werner Fassbinder …
JT… den ich nie vergessen werde, und zwar aus einem ganz ordinären Grund: Ein paar Mal saß er neben mir und roch ganz entsetzlich nach Schweiß! Meine theatralische Grundausbildung bestand jedenfalls in der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Eine Jugendliche zerfetzt eine blutige Babypuppe. Ein geistig Behinderter holt fröhlich sein Gebiss heraus. Eine alte Frau erzählt von ihrem besten Orgasmus. Eine Fee bringt eine echte Torte. Ein Zuschauer muss Ikeamöbel testen. Eine Skaband sitzt im Orchestergraben, und Familie Schroffenstein hat Kapuzenpullis an. Das sind Szenen aus «Heimspiel»-Produktionen aus...
Man weiß vom Besuch des Teufels beim Dichter Rattengift in Grabbes Lustspiel «Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung» (1822), dass jener aus Mangel an Inspiration an seiner Feder kaut. Solche Zusammentreffen bleiben bekanntlich nicht ohne Folgen. Nicht dass auch Lars Norén an einer Feder saugen müsste! An die 1700 unpaginierte Bögen des gerade erschienenen...
Troilus und Cressida stehen Romeo und Julia in vielem nach, nicht nur, was ihren Popularitätsgrad anbelangt, sondern auch im Extremismus ihres Gefühls. Wo das trojanische Paar zaudert und zögert, weil Cressida für sich erkannt hat: «Begehrt wird die nur, die sich ziert», stürzen sich die beiden jungen Veroneser mit haltloser Unbedingtheit in ihre Liebe, die sie...
