Ein gutes Gefühl
Eigentlich war es ein Kamikaze-Unternehmen – und wurde das Theaterwunder des letzten Sommers: Ein vier Stunden langer Abend über die Liebe in bedrängten Umständen, die gegen alle Erwartung und Erfahrung nicht scheitert, weil beide Beteiligten, der (bald schon abgebaute) Herrenmodenverkäufer Johannes Pinneberg und die Näherin Emma Mörschel, genannt Lämmchen, einfach keinen Deut voneinander abrücken und alles äußere Unheil, Arbeitslosigkeit, Not und Erniedrigung einfach am Schutzschild ihrer Gemeinsamkeit abprallen lassen.
Und das ganz schlicht und ergreifend gespielt und erzählt von zwei wunderbar geradlinigen und in ihren Rollen aufeinander eingeschworenen Schauspielern: Annette Paulmann und Paul Herwig.
Zunächst hatten sich beide gewundert, warum sie hier überhaupt besetzt worden waren. Regisseur Luk Perceval, der selbst die Bühnenfassung nach Hans Falladas Roman «Kleiner Mann – was nun?» entwickelt und sich mit der Inszenierung an den Münchner Kammerspielen einen lang gehegten Wunsch erfüllt hat, wusste es umso besser. Zwar sind Pinneberg und Lämmchen im Roman beide Anfang zwanzig, wenn sie sich Hals über Kopf in die Jagd nach dem Glück und ins Berlin der rasanten 20er Jahre ...
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1. Teil Spurensuche
Früher begann der Tag mit einer Schusswunde. Im Juni 1967 reist Ernst Wendt für «Theater heute» zur Experimenta nach Frankfurt am Main. Hier sein Bericht aus Heft 7/67:
«Der Schuß, der den Studenten Benno Ohnesorg in den Hinterkopf traf, fiel während der ersten Stunde der Experimenta II, das Stockholmer Scala-Theater zeigte im Theater am Turm...
Es war einmal ... im Herzen der ökonomischen Welt, im Herzen Amerikas, Texas, da gab es einmal ein Unternehmen» – so beginnt das Märchen von einem, der auszieht, ein König zu werden. Und er zieht aus, er wird ein König, und er wird wahnwitzig reich, und dann kommen die Neider und nehmen ihm alles wieder weg und werfen ihn in den Kerker bis an sein Lebensende. Aber...
Man kann das «Diebe»-Bühnenbild von Andreas Kriegenburg, dem Bühnenbildner des Jahres, theaterkritisch beschreiben als mächtiges Szenen-Mühlrad, das Dea Lohers Menschen unerbittlich vor sich her treibt. Man kann die riesige Konstruktion aber auch als technische
Herausforderung beschreiben, wie Dr. Gabi Högg von der ausführenden Bühnenbau-Firma Hoag in Moers: «Das...
