Gesellschaft mit beschränkter Freiheit
Denkmalgeschützt ist der Komplex der ehemaligen Kölner KFZ-Anmeldestelle gewiss nicht. In seiner Verkommenheit und der Aura des Exterritorialen lag für SIGNA der Reiz, den mehrstöckigen Riegel aus Ziegeln und Beton mit bröckelnden Kanten und heruntergelassenen Jalousien für eine Performance-Installation umzuwidmen – die dritte von Signa & Arthur Köstler sowie Thomas Bo Nilsson am Schauspiel Köln. Es riecht nach Tod und Verwesung an der Herkulesstraße. Der süßliche Gestank legt sich als Duftnote über die Wartenden.
Eine Zugabe, verursacht durch die metaphorisch bedenkenswerte Nähe zum Schlachthof im Stadtteil Ehrenfeld. «Wie ein Hund» ergehe es ihm, durchzuckt als letzter Gedanke Josef K., bevor ihn das Messer seiner Henker durchbohrt. Entsprechend werden wir ab und an hinter den Fenstern Gebell hören. Aber wir Delinquenten kommen, anders als K., nach sechs Stunden heil davon. «Die Hundsprozesse» haben uns nur ganz zwanglos vereinnahmt.
Das Mitmach-Theater beginnt am Einlass zum «Vorläufigen Basalgericht». In Reih und Glied, sieben eingezeichnete Linien am Boden entlang, müssen die Zuschauer in wahlloser Sortierung: warten. Das wird auch ihre Haupttätigkeit bleiben. Warten und ...
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Theater heute Juni 2011
Rubrik: Aufführungen, Seite 32
von Andreas Wilink
Um die Droge auf ihren Reinheitsgehalt zu prüfen, ist eine Anfrage beim Nüchternsten geraten: beim Erzähltheoretiker des Realismus, Friedrich Spielhagen. Der setzte ab etwa 1860 in lebenslangem Kampf auseinander, wie ästhetisch peinlich es ist, wenn sich Erzähler erläuternd ins dargebotene Geschehen einmischen. Wer etwa sage «Hier sehen wir unseren Helden», gebe...
Wer «Türkei» sagt, denkt inzwischen zwangsläufig an den Mitbürger mit Migrationshintergrund. Das war auch jetzt so, da der Heidelberger Stückemarkt nicht nur das bislang spannendste Gastland vorstellen, sondern begleitend dazu auch auf eine große Zahl deutscher Produktionen aus deutschen Landen zurückgreifen konnte, die sich dem Thema «Integration» widmen. Das...
«What are you looking at?», fragte der Leuchtkasten am lebensgroßen, rundum einsehbaren und von innen blickdicht verspiegelten Terrarium, in dem sich das Gob-Squad-Kollektiv beim Festival «reich & berühmt» im Jahre 2000 stundenlang selbst exponierte − als lebendes Tableau beim Dinner, mit schwarzer Netzstrumpfhose auf dem Flokati oder in tanzseliger Partystimmung:...
