Insekt in Bernstein
Über Heiner Müller schreiben, heißt, über einen Verlust schreiben. Heiner Müller, der große deutsche Dichter, dem der Zweite Weltkrieg und die DDR historische Prägung waren, hat uns Texte von ungeheurer Wucht geschenkt, mit Figuren, durch die der Riss der gebrechlichen Einrichtung der Welt geht.
Auf den deutschen Bühnen kommen seine Texte viel zu selten vor. Nach dem Tod Dimiter Gotscheffs bleiben nur wenige Ketzer, Frank Castorf ist einer von ihnen, und die kleinen Theater in Ostdeutschland, die Müllers Texte sich und uns noch zumuten.
Müller, der sein Leben lang auf der Basis einer Grunderfahrung schrieb – «Meine Grunderfahrung war: Staat als Gewalt» –, floh nach dem Ende der DDR vom Schreiben ins Reden, warf in bis heute legendären Interviews und Talkshows der gesamtdeutschen Bundesrepublik Bonmots hin und beendete keinen einzigen dramatischen Text mehr, ein einsamer Hofnarr am Kuscheltisch der neudeutschen Eliten. So verstummten seine Texte auf der Bühne, während wir nicht aufhören konnten, über sie zu reden, auf dass unser Gefasel seine Texte übertöne, übermale und schließlich auslösche.
In einer Zeit, in der die Wahlbeteiligung so niedrig ist, wie es sich die Nomenklatura ...
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Theater heute Januar 2015
Rubrik: Heiner Müller, Seite 10
von Bibiana Beglau/Angela Obst
Aachen, Theater
8. nach Orwell, Farm der Tiere
R. Eike Hannemann
9. nach Keun/Maslowska, Urban Girls
R. Jenke Nordalm
10. nach Bulgakow,
Der Meister und Margarita
R. Bernadette Sonnenbichler
Aalen, Theater der Stadt
17. Büchner, Dantons Tod
R. Tonio Kleinknecht
31. Widmer, Biedermanns. Umgezogen (DE)
R. Tina Brüggemann
Altenburg/Gera, TPT
27. Weiss, Die Ermittlung
R. Nora...
Wie schon in «Todesnachricht» (2011) und «Ich wünsch mir eins» (2012) spielt auch im dritten Stück der deutsch-iranischen Autorin Azar Mortazavi ein aus einem anderen Kulturkreis stammender abwesender Vater eine Rolle. Als dieser sich von der Mutter getrennt hatte und zurück in seine Heimat zog, ging Tochter Mina (Maya Henselek) mit ihm. Jetzt, nach dem Tod des...
Am 25. August wurden König Ludwig I. (1786) und Ludwig II. (1845) geboren – und Jürgen Rose: 1937. Der erste baute die Stadt München zur Metropole aus mit Oper, Uni, Pinakothek; der zweite ließ Schlösser für Träume errichten. Der dritte baute traumhafte Kulissen und fantastische Dekors in den Theatern der Welt.
Roses Vorfahren, von Mutters wie von Vaters Seite,...
