So wie jetzt und mehr?
An manchen Tagen genügt eine Zeitung, um die Zeit zu versammeln. Der 28. März 2011 war so ein Tag, und die Zeitung eine «Süddeutsche». Auf der ersten Seite unten müssen gerade wieder einmal die Arbeiter aus den Trümmern des Atomkraftwerks Fukushima abrücken, weil ihnen das hochradioaktive Wasser sonst die Füße verbrennt. Oben steht der baden-württembergische Noch-Ministerpräsident Stefan Mappus mit Frau Susanne nach der Stimmabgabe in Pforzheim im Regen und guckt ziemlich säuerlich in die Kamera. Er wurde weniger abgewählt als aus dem Amt gejagt.
Auf Seite drei folgt dann ein Porträt von Matthias Filbinger, dem Sohn des verstorbenen Mappus-Vorvorvorvorgängers Hans Filbinger, den einst seine Nazi-Urteile als furchtbarer Jurist eingeholt hatten und der deshalb zurücktreten musste, was er bis zuletzt nicht einsehen wollte. Sein Sohn ist inzwischen ein Grüner, und zwar aus einem sehr speziellen Grund. Als nämlich der Stuttgarter Hauptbahnhof unter die Erde verlegt werden sollte, stand auch ein Fernbusbahnhof im Weg. Und dieser Fernbusbahnhof mit seinen täglich 150 an- und abrückenden Fernbussen sollte von der Landes-CDU ausgerechnet in den ruhigen Stuttgarter Vorort Vaihingen verlegt ...
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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Der konstitutive Konflikt, Seite 54
von Franz Wille
Das Schauspiel Köln ist Meister in allen Klassen: Im Theater des Jahres spielt die Schauspielerin des Jahres, Lina Beckmann, und Intendantin Karin Beier hat die Inszenierung des Jahres, Elfriede Jelineks «Das Werk/Im Bus/Ein Sturz», eingerichtet. Zuverlässig im Hintergrund steht Chefdramaturgin Rita Thiele: ein Porträt!
Videobilder in nebligen Grautönen, unscharf und verschwommen – beleuchtet von kaltem Neonlicht, aufgezeichnet von Überwachungskameras in Berliner U-Bahnhöfen. Es sind verstörende Bilder, die in den letzten Wochen wieder und wieder zu sehen waren. Bilder von Schlägen und Tritten gegen Kopf und Körper, von brutalen Übergriffen Jugendlicher auf harmlose Passanten....
Iwan Wyrypajew will, dass seine Stücke nicht mehr gespielt werden. «Juli», «Sauerstoff», «Genesis Nr. 2»: «Schluss damit! Das war Experimentierphase», sagt er und verwirrt mich, der junge Russe: «Das neue Stück muss ich noch abkühlen lassen – die Emotionalität wegstreichen.» Aber haben nicht seine Theatertexte gerade wegen « … der Gier, der Erotik des Opfers, der...
