Kampf um Atemluft
Gelächter kann man leicht haben, Heiterkeit schon schwerer. Wer heiter ist, dem gelingt das Leben, wer lacht, vergisst es nur. Shakespeares Lachen ist selten ohne Schwermut, seine Heiterkeit ist ein Trotzdem angesichts von Verlusten. Das wissen beide Inszenierungen – die Bochumer der eigentlich sanften, lyrischen Komödie «Wie es euch gefällt», die Düsseldorfer der eigentlich drallen, derben Komödie «Was ihr wollt». Dennoch scheitert die eine, gelingt die andere.
Projektionsraum der Wünsche: Lost in Arden
Elmar Goerdens Bochumer Inszenierung setzt ganz auf deutliche Symbole: Celia, die gute Tochter des bösen Herzogs, ist an den Rollstuhl gefesselt, Oliver, der böse Bruder des verliebten Helden Orlando, geht am Krückstock. Aber am Ende sind sie beide befreit: Siehe da, Celia kann gehen. Oliver darf sie ohne Krücke heiraten, und die Konfettikanone donnert dazu. Das dickste Merkzeichen ist laubfroschgrün und bühnenfüllend: ein zerbrochenes Passagierflugzeug. (Wahrscheinlich das erste Flugzeug auf der Bochumer Bühne seit Alfred Kirchner 1980 einen veritablen Nahkampfjet, eine Fiat G 91 der Luftwaffe, für seine «Mutter Courage»-Inszenierung auf die Bühne wuchten ließ.) Hin und wieder ...
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Am Ende können sie froh sein, wenn sie als Toastbrot über die Bühne stolpern dürfen: Die sechs Schauspieler in Roland Schimmelpfennigs «Reich der Tiere» haben wenig erhebende Berufsperspektiven. Eben noch gequälte Routiniers in einem musicalartigen Disneyverschnitt à la «König der Löwen», und nach sechs Jahren anonymer Dienstleistungsdarstellerei, versteckt unter...
MAN KANN EINEM MENSCHEN NICHT VON MORGENS BIS ABENDS SAGEN WIE ENTTÄUSCHT MAN VON IHM IST DAS HÄLT KEINER AUS.» Das gilt für Menschen wie für ganze Landstriche, den östlichen Teil Deutschlands zumal. Wo dauernd von Scheitern die Rede ist, wird das Ringen um Würde und Selbstbehauptung zur Existenzfrage. Fritz Kater, seit geraumer Zeit der erste Chronist des...
Über eine Theateraufführung kann nur schreiben, wer mit eigenen Sinnen und Verstand gegenwärtig war. So dachte man bisher, und so formuliert die Theaterwissenschaft und Theaterkritik ihr leidiges Problem, ein flüchtiges Ereignis analysieren und konservieren zu wollen. Schon der Versuch eines Kritikers oder wissenschaftlichen Beobachters, während der Aufführung...
