Was sie sagen, ist nicht wahr
Was ist das für eine Justiz?», könnte man fragen, die eigentlich überzeugt ist von der Schuld einer Gruppe von Angeklagten, denen die vielfache Vergewaltigung und anschließende Ermordung eines fünfjährigen Jungen zur Last gelegt wird, und die doch die Waffen streckt und alle Beschuldigten freispricht, gegen ihre in der Urteilsbegründung geäußerte Überzeugung? «Was aber wäre das für eine Justiz?», müsste man fragen, die ihre im Prozess gewonnenen Überzeugungen über das juristisch Feststellbare stellte? «Was ist das also für eine Justiz?», fragt man sich, die verurteilt, in
dem sie freispricht? Die offensichtlich nicht genügend Unbezweifelbares in der Hand hat und in den Freispruch ihre im Verlauf des Prozesses gewonnene (und mit der öffentlichen Meinung geteilte) Überzeugung von der Schuld der Angeklagten hineinschreibt?
Das ist, oder besser gesagt: wäre, vielleicht auch ein Drama. Es könnte in einem Gerichtssaal spielen, Richter, Angehörige, Zeugen, Angeklagte wären das Personal, Aussagen, widerrufene Geständnisse, die unterschiedlichen Perspektiven der unterschiedlich Beteiligten wären das Material und die grundsätzliche Schwierigkeit, mit den Mitteln des Strafprozesses, der ...
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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Die neuen Stücke, Seite 162
von Sebastian Huber
Nur der Deutsche kann den Wutbürger erfinden. Im Deutschunterricht nannte man so etwas ein Oxymoron: ein Wort aus zwei gegensätzlichen Begriffen. Aber der Deutsche kann eben nicht einfach wütend sein, ohne dabei Bürger zu bleiben. Wäre er, der deutsche Bürger, nur wütend und sonst nichts, drohte ein noch viel größeres Problem als das seiner Wut, nämlich der Verlust...
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Gar nicht so einfach, in der Vielfalt der Stile und Inszenierungen einen Schauspieler
des Jahres zu küren!
Selten war das Spektrum der Kritiker-Voten so groß wie in diesem Jahr. Deshalb gratulieren wir auf den folgenden Seiten nicht nur Jens Harzer, dem Schauspieler des Jahres, sondern auch den 29 anderen, die mindestens einen Kritiker überwältigt haben. Klare...
