(Hör-)Bücher für den Weihnachtstisch
Nachdem er erst poststrukturalistisch, dann systemtheoretisch und schließlich managementphilosophisch ausgeholt hat, geht Michael Börgerding aufs Ganze: «Ich gehe davon aus, dass wir das alle wollen: glücklich sein am Theater, Glück möglich machen im Theater, das Glück suchen im Theater.» Dreimal Glück und Theater!Der langjährige Hamburger Chefdramaturg, gegenwärtige Direktor der dortigen Theaterakademie und designierte Bremer Generalintendant sucht sich für diesen Höhenflug ein wahnwitziges Sprungbrett: einen Text über Sinn und Zweck des Dramaturgen.
Der Artikel selbst ist ein gelungenes Beispiel für Wahn und Witz des Berufs, der keiner ist, aber immerfort ausgeübt und selbstverständlich auch an Hochschulen und Kunstakademien gelehrt wird. Ort und Anlass ist «Die Kunst der Dramaturgie», herausgegeben von Klaus Zehelein und Anke Roeder, ein Sammelband zu Theorie, Praxis und Ausbildung eines Tätigkeitsfeldes, das so umfassend ist, dass es niemand greifen kann. – Was einen nicht geringen Teil der Faszination ausmacht.
Fischen im Tiefen
Sammelbände sind wie Fischernetze: Man sucht nach Heringsschwärmen und bekommt die halbe Meeresfauna. In diesem Fall einen sich immer erregter ...
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Theater heute Dezember 2011
Rubrik: MAGAZIN, Seite 60
von Franz Wille
Kein Konflikt auf dem Globus zieht mehr internationale Aufmerksamkeit auf sich als der zwischen Israelis und Palästinensern, kaum ein anderer ist so kompliziert, ist bis zur Undurchschaubarkeit verworren. Und doch löst gerade dieser Dauerbrenner unter den weltpolitischen Krisenherden in der internationalen Öffentlichkeit besonders heftige Bedürfnisse nach...
Das stärkste Bild hat Karin Henkel an den Anfang gesetzt: Nebel, der alles überdeckt. Nur schemenhaft erkennt man darin Menschen und Raumumrisse. Unschärfe als Gebot der Stunde? Von bürgerlichem Realismus ist wenig zu merken, stattdessen hat Henkel ihre Inszenierung irgendwo zwischen expressionistischem Stummfilm und Film noir angesiedelt. Dazu gibt es einen...
Es ist kein Zufall, dass die drei letzten großen Theaterproduktionen des steirischen herbst allesamt im Foyer beginnen. Dort, im Theatervorraum, spielt ja auch das richtige Leben: Da stimmt sich der Besucher auf den Übertritt in die Bühnenwelt ein, hat noch Gelegenheit, ein wenig kulturelles Kapital zu wechseln, in guter Gesellschaft zu trinken, und kann sich am...
