Ficken ist retro
Der Gegenwartsautor ist im Zeitalter von Projekten und omnipotenten Regisseuren zu einer knöchernen Existenz erstarrt: altmodisch, lästig, rückständig in seinem Beharren auf Sprache, anmaßend in dem Glauben, einem Text könne vertraut werden.
Katharina Schmidt, Jahrgang 1980 und Absolventin des Studienganges «Szenisches Schreiben» an der Universität der Künste Berlin, demonstriert mit ihrem Text «Maxi-Singles» diese Vorgestrigkeit auf vorbildliche und verblüffende Weise: Die Figuren ihres Theaterstücks verfügen über eine klar umrissene Psychologie, sie haben Namen wie Jana und Tom, werden als sozial verortbare Individuen erkennbar und unterhalten sich – oh, Wunder! – in Dialogen. Das Ganze liest sich, als hätte es die letzten Jahrzehnte an Formalwagnis, Epik, Fragmentierung des Ichs und Antidramatik nicht gegeben, unbelastet, absolut gegenwärtig, witzig und mutig in seinem Zugriff auf die Mittel des Theaters.
Hierzu die Autorin selbst, ein kurzes Dialogzitat:
ELKE: Ich studiere Theaterwissenschaften, und du?
TOM: Ich schreib Theaterstücke.
ELKE: Echt? Ist ja abgefahren!
TOM: Grad hab ich eins in der Mache, Titel: «Heute so, morgen gestern». Ist eine Replik auf die postdramatischen ...
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Wen wundert es, dass 22 Jahre nach «Die Unvernünftigen sterben aus» das neue Handke-Stück den Titel «Spuren der Verirrten» trägt. Etwas erinnert das Stück an das 15 Jahre zuvor entstandene Schauspiel «Die Stunde da wir nichts voneinander wussten». Damals ein Schauspiel im Wortsinn, denn es ist ein wortloses, also stummes Spiel, in dem ein Platz den Mittelpunkt der...
Uraufführungen
A Herbert Achternbusch Herz und Kopf (Nationaltheater Mannheim)
Woody Allen Sweet and Lowdown (Theater Krefeld-Mönchengladbach)
Melanie Arns Heul doch! (Theater Bielefeld)
B Lukas Bärfuss Die Probe (Münchner Kammerspiele), Marc Becker Terror-Programm (Arbeitstitel, Staatstheater Oldenburg), Thorsten Becker Katte (Hans-Otto-Theater Potsdam), Sibylle...
«Ich habe mich vor acht Wochen in Hamburg mit ‹Nachtasyl› beschäftigt, da habe ich über ‹Nachtasyl› nachgedacht, und vor einem halben Jahr habe ich mich mit ‹Macbeth› beschäftigt, da habe ich über ‹Macbeth› nachgedacht. Und im Moment mache ich wieder was anderes. Und das beschäftigt mich außer ein paar andere Sachen eigentlich den ganzen Tag.
Gleichzeitig habe ich...
