Karlsruhe: Fröhlichen Todestag!

Konstantin Küspert «sterben helfen» (U)

Theater heute - Logo

Strahlend, freundlich, hell ist hier alles, eine Utopie scheint wahr geworden. Schwere Leiden und Schmerzen gibt es nicht mehr, Traurigkeit ist überflüssig. Doch die Leichtigkeit und Schönheit des Science-Fiction-Szenarios von Konstantin Küspert entzaubert sich, wenn man zu ahnen beginnt, was hier eigentlich abgeht.

Die Lebensfreude basiert auf einer Art Neufassung des Generationenvertrags: Jeder Mensch erhält zur Geburt einen Inhalator mit tödlichem Gift – entsprechend der Titel des Auftragswerks «sterben helfen».

Erwachsene benutzen ihn freiwillig, wann immer sie gehen möchten. So werden Beerdigungen zu fröhlichen Abschiedsfesten, ganz nach dem Geschmack der Sterbenden. Im Fall von Lucys Mutter, Professorin, Typ resolute Lady um die 70, blonde Hochsteckfrisur, schwarze Handschuhe, wird es ein feierliches Festessen mit über 200 Gästen. Ihre ritualisierte Abschiedsrede hält Annette Büschelberger in der Uraufführung am Badischen Staatstheater Karlsruhe gefasst, humorvoll und leicht kokett. Ob das minimale Zittern ihrer Stimme der Rührung oder doch einem Hauch von Angst geschuldet ist, egal. Es wird von den Gästen mit Konfettiwerfen und Applaus routiniert überspielt, «wirklich ein ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2017
Rubrik: Chronik, Seite 48
von Cornelia Fiedler

Weitere Beiträge
Das große Grau

Der neue west-östliche Divan steht vor einem Laptop. Dort, in einem pakista­nischen Kellerloch, über dem amerikanische Drohnen kreisen und Bomben fallen, sitzt als Gefangener Nick Bright. Das Lösegeld für den Banker, das die muslimischen Brüder von dessen Citibank fordern, beträgt zehn Millionen Dollar. Bright, Ehemann und Vater eines kleinen Sohnes, erwartet...

Crash of Culture

Warum wird man Terrorist? Warum setzt man sich mit einem Sprengsatz voller Schrauben vor dem Bauch in ein vollbesetztes Restaurant und jagt sich in die Luft, damit mehrere Dutzend unschuldige Mitmenschen in Stücke gerissen werden? Vielleicht, weil der eigene Bruder vorher von israelischen Sicherheitskräften während seiner Hochzeit hinterrücks erschossen worden ist?...

Nach uns der Goldglanz

Verdienen wir überhaupt, glücklich zu sein?» Alexander, der wortkarge Typ vom Nachbargrundstück, hieß in Tschechows Originalversion der «Drei Schwestern» noch mit Nachnamen Werschinin, war russischer Offizier und bedauernswerter Gatte einer kranken Ehefrau, die er am Ende doch nicht mit den Kindern allein lassen wollte, obwohl ihm das Liebesglück für ein paar...