Kulturpolitik: Kölner Intendanz-Karneval
Am Ende ist doch immer wieder erstaunlich, wie viel kulturpolitisches Vertrauensporzellan in kurzer Zeit von entschlossenen Akteur*innen zerschlagen werden kann. Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker hatte im Einvernehmen mit der örtlichen Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach und beraten vom pensionierten Bühnenvereinsdirektor Rolf Bolwin einen echten Überraschungscoup gelandet.
Als neuer Intendant des Kölner Schauspiels wurde in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz Carl Philip von Maldeghem stolz präsentiert, der über Salzburg hinaus weitgehend unbekannte und künstlerisch unauffällige Chef des dortigen Landestheaters. Er wurde den Kölnern, die vor ihm mit Karin Beier und jetzt mit Stefan Bachmann überregional profiliertes und umworbenes Personal gewohnt waren, mit einem bunten Strauß an Phrasen («innovativer Regisseur», «internationale Kontakte», «kreative Allianzen») empfohlen, die in der umwerfenden Erkenntnis gipfelten, dass das Theater den Menschen gehöre.
Die erste Überraschung bei Presse und Öffentlichkeit schlug bald in offene Empörung über eine unverständliche Entscheidung um. Spätestens als der Kölner Autor Navid Kermani eine «Demütigung» für ...
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Theater heute März 2019
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Franz Wille
Das Stück, mit dem das Aktionstheater Ensemble auf den Rechtsruck in Österreich reagierte, handelt scheinbar gar nicht von Politik. Weder Kurz noch Strache werden namentlich angesprochen, stattdessen wird in «Swing: Dance to the right» (2017) über homosexuelle Pinguine schwadroniert, über schlechte Chinesenwitze gelacht («Was heißt Dieb auf Chinesisch? Lang Fing!»)...
In diesem Bayern gibt es keinen weißblauen Himmel, stattdessen gießt es wie aus Kübeln, drei Stunden lang, fast ununterbrochen. Als hätten sich die Schleusen des Himmels geöffnet, um eine neue Sintflut über den Freistaat niedergehen zu lassen, der hier zum Schauplatz einer giftigen und in vieler Hinsicht nicht aus der Luft gegriffenen politischen Dystopie über den...
Je finsterer die Zeiten, desto lichter wurde Brechts Schreiben. In der Frühphase der Weimarer Republik gab’s diese expressionistisch hochfahrende Antibürgerlichkeit mit «Baal», da schlugen Nietzsche und Marx wie zwei Herzen in der Brechtschen Brust hart gegeneinander. Es folgten vielstimmige Großstadtbegegnungen und die Reflexe auf den stalinistischen Terror in...
