Die Logik der Hohlformeln
Kleine Stilblütennachlese aus dem jüngsten Bundestagswahlkampf: «Wachstum braucht Weitblick.» «Die Mitte entlasten.» «Wir bringen neue Energie.» Das mittlere Elaborat stammt – falls jemand Schwierigkeiten mit der Parteiendifferenzierung haben sollte – von der FDP.
Hätten sich Rainer Brüderle und Philipp Rösler im Vorfeld mit der PR-Agentur «Mover und Shaker und Partner» in Verbindung gesetzt, wäre ihnen ihr historisches Wahldesaster mit Sicherheit erspart geblieben.
Denn in dieser Topetage des «Meinungsdesigns» werden die mit Abstand erfolgreichsten Phrasen gedroschen, die das umtriebige Business für «üble Nachrede, Schaumschlägerei und sonstige Spin-Doktoren-Rezepte» landesweit zu bieten hat: Deutschland bewegen. Leben als Wandel begreifen. Oder: Frauen miteinbinden – was ja, gelesen auf der Dirndl-Gate-Folie, für Rainer Brüderle tatsächlich wie geschaffen wäre. Obwohl: Wahrscheinlich hätte die grunddynamische Kreativ- und Strategiedirektorin Sandra Ardnas im Falle des FDP-Debattenaussitzers eher ein konträres Kommunikationsdesignpaket geschnürt. Zum Beispiel: «Darüber müssen wir reden.» Denn: «Authentisch ist vom Tisch.»
Die Erkenntnis, dass es sich hinter dem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute November 2013
Rubrik: Aufführungen, Seite 24
von Christine Wahl
TH Zunächst mal Kompliment, Herr Schmitz. Schweren Herzens müssen wir Sie loben. Der Kulturhaushalt in Berlin soll 2014 knapp 378 Millionen Euro umfassen, das ist ein Zuwachs von 2,7 Prozent; 2015 steigt er auf 396 Millionen, das sind sogar 4,3 Prozent plus. Darin eingeschlossen sind Tariferhöhungen – nicht bei allen Institutionen, aber bei vielen, so dass hier die...
Weißt du womit ich mich neuerdings beschäftige?», fragte ein Freund, der für ein Moskauer Theaterfestival arbeitet. «Ich schreibe den Eingeladenen. Ich überrede sie, nach Moskau zu kommen. Der eine ist schwul, und ein anderer auch … Ich muss denen erklären, dass man dafür in Russland weder verprügelt noch eingesperrt wird, und dass wir hier nicht alle homophob...
Der deutsche Märchenwald ist ein tückisches Biotop; vor allem kommt darin immer alles anders, als man erwartet. In Wilhelm Hauffs «Wirtshaus im Spessart» zum Beispiel, einer Schlingpflanze von Rahmenerzählung, sitzen ein paar schlotternde Gestalten bis nachts um zwei in einer Schänke und erzählen sich aus Angst vor einem Räuberüberfall Geschichten, damit sie nicht...
