Spielwelten
Die Zeitspanne vom Erscheinen eines Romans bis zu seiner Adaption für die Bühne schrumpft immer mehr.
Bei «Schilf», dem Krimidebüt der gefeierten Jungjuristin und Erfolgsautorin Juli Zeh – einem Buch, das neben einem mörderischen akustischen Missverständnis und einem moribunden Kommissar auch noch mit verzwickten physikalisch-philosophischen Debatten über das Wesen der Zeit aufwartet –, hat es von August bis Mitte Dezember gerade mal vier Monate gedauert, bis im Münchner Volkstheater die Bühnenfassung der jungen Regisseurin Bettina Bruinier und der Dramaturgin Katja Friedrich Premiere hatte. Und trotz häufig berechtigter Zweifel am Sinn solcher Zweitverwertung hat die griffige Bearbeitung der beiden jungen Theaterfrauen dem zuweilen etwas weit schweifenden Ausgangsprodukt sogar ganz gut getan.
Zwei Physiker, der nobelpreisverdächtige Oskar und der nicht ganz so geniale Sebastian, haben ihre Freiburger Studienzeit in einer Art erotisch grundierter intellektueller Symbiose verbracht. Nun droht Sebastians trautes Familienglück mit der hübschen Galeristin Maike und Söhnchen Liam die physikalische Passion der beiden Freunde zu untergraben. Zudem lässt er sich, mittlerweile selbst ...
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Das Wiener Burgtheater hat sich in zwei Großproduktionen gestürzt, riesige Textberge riefen zu ihrer Besteigung auf. Bergauf hätte es gehen sollen mit großen Debatten im Gepäck: über Väter & Söhne, Gott & Teufel, Vatermord & Vater Krieg. Aber dann sah man, schon am Fuß der Textbergriesen scheiternd, nichts als Flachlandtiroler in Nicolas Stemanns Dramatisierung von...
IDie eigentlich erfreuliche Nachricht, dass Kulturstaatsminister Neumann für diverse Kulturvorhaben 400 Millionen Euro mehr aufgetan hat, erzeugte in zwei maßgeblichen Zeitungen geradezu schockhafte Wirkung. In der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» und in der «Süddeutschen Zeitung» zeigten sich Nils Minkmar und Thomas Steinfeld äußerst besorgt, dass es zu...
Beige sind die Trennwände in diesem Tonstudio, lang der Backenbart des Schlagzeugers und auch das Haupthaar des Hippiemädchens, das seine schwarzen Strähnen zupft und dabei die Augen devot weitet (sie gehören der Tänzerin Arantxa Martinez). Im hinteren Zentrum thront ein Turm, in dessen Erdgeschoss die Mixing-Konsole steht, der Kontrollraum der Aufnahme. Weil die...
