Grenzen der Freiheit

Die überwindliche Strenge der Partitur: Musiktheater-Zugriffe in Berlin von Michael Thalheimer, Herbert Fritsch und David Marton

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Unter Musikern erfreut sich das schimärische Konzept einer bedingungslosen Werktreue – auch mit Bezug auf die darstellenden Künste – einer besonderen Beliebtheit. Das hartnäckig vorgebrachte und in Diskussionen gar nicht leicht zu entkräftende Argument lautet ungefähr so: «Wenn ich eine Komposition von Brahms spiele, führe ich doch auch jede Note und jede Tempo- und Dynamikvorzeichnung buchstabengetreu aus.

Warum macht man das bei Regieanweisungen anders?» Tatsächlich ist das musikalisch Notierte widerständiger als ein Dramentext, sofern es um eine Neuanordnung des Materials geht – als direkte Folge daraus agieren Opernregisseure bislang wesentlich weniger frei bei der Inszenierung der ihnen anvertrauten Werke als ihre Kollegen im Schauspiel, wo massive Eingriffe in den Text längst durchgesetzt sind.

Visionäre wie der vor Jahresfrist verstorbene große Ermöglicher Gerard Mortier mögen gefordert haben, man solle im Musiktheater auch vor der Musik im freien Spiel einer alle Bühnenaspekte umfassenden szenischen Neuschöpfung nicht Halt machen – die Realität sieht anders aus. Eingriffe in die Musik bleiben ein Sakrileg: Vor gut 20 Jahren scheiterte etwa Einar Schleef in Nürnberg mit dem ...

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Theater heute März 2015
Rubrik: Musiktheater, Seite 38
von Wolfgang Behrens

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