Die Politik wird ideologisch
Über Russlands Kunst ist Grauenvolles hereingebrochen – die Regierung hat 2014 zum «Jahr der Kultur» erklärt. Noch Schrecklicheres widerfährt gerade dem russischen Theater: Die «Vertikale der Macht» beginnt, Interesse an ihm zu entwickeln sowie – Herr im Himmel, ist es ein Traum? – das Staatsfernsehen. Vor kurzem noch regierte im Theater politische und ästhetische Freiheit, einfach deshalb, weil es der Macht absolut marginal erschien. Das heimische Fernsehen schenkte Theaterregisseuren bisher so viel Aufmerksamkeit wie Freizeitgruppen, die sich mit Makramee befassen.
Plötzlich aber erinnert man sich gleich auf mehreren Fernsehkanälen der bescheidenen Diener der Melpomene. Der verhasste Solosänger des Putin-Regimes, Dmitrij Kissiljew, hat dem Theater in seinen «Westi nedelij» (Nachrichten der Woche), der wichtigsten analytischen Wochensendung unseres Hauptkanals «Rossija» (Russland), gleich mehrere
Beiträge gewidmet. Nach Berichten über schreckliche Aufrührer von Bandera-Format* und antirussische Ausfälle des Westens erklärte er den Zuschauern die Schädlichkeit des «experimentellen Theaters», unerträglich in der Form und gefährlich im Inhalt. Darüber, wie schädlich das ...
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Theater heute Mai 2014
Rubrik: Ausland, Seite 4
von Marina Davydova
Wie schreibt man mit zwei Menschen eine ganze Welt? Es dürfen auch drei oder vier sein, aber selten mehr als ein Dutzend. Es muss auch nicht immer gleich die ganze Welt sein, aber doch wenigstens ein wichtiger Teil davon, ein bedeutendes Problem, ein entscheidender Konflikt, eine aufschlussreiche Situation. Auf jeden Fall deutlich mehr als das Privatproblem von...
Er muss nichts rechtfertigen. Aber es war Mortier darum zu tun, sich zu erklären, um mit seinem Impuls die ermatteten Kräfte der Bühne energetisch zu laden: in die Zukunft hinein. Der am 9. März 2014 mit 70 Jahren verstorbene Intendant konstatiert in der Einleitung seines Buches «Dramaturgie einer Leidenschaft» eine «Periode der Restauration». Die Aufbrüche, die...
She She Pop ergründen nach den Vätern auch die Mütter und begeben sich auf
hochvermintes Gelände. Man wolle nicht von Opfer und Schuld sprechen – das kann nur
mit Opfer und Schuld zusammenhängen: «Frühlingsopfer»
Elektrifizierende Anregungen fürs Drama kommen wie immer aus der New Writing Capital London, zum Beispiel Sarah Ruhls «In the Next Room or The Vibrator...
