Vergessen
Ander gräbt. Seine Hände sind verbunden, sie eitern unter den Verbänden. Trotzdem arbeitet er weiter an diesem Tunnel unter seiner Hütte, im sandigen Grund. Auch wenn jetzt niemand mehr kommt, will er vorbereitet sein. Denn irgendwann werden sie doch wieder kommen, und dann wird dieser Tunnel seine Goldgrube sein.
Ander ist eine der Figuren, die im «Territorium» leben, einem Randgebiet des alten Europa, das in Thomas Freyers neuem Stück «letztes Licht. Territorium» nur noch «Kontinent» heißt, abgeschieden von allem, isoliert.
Der Kontinent hat sich eingemauert, mit wie vielen Privilegien ist unklar, aber immerhin ist es besser als anderswo.
Anderswo, das sind die anderen Kontinente, wo die Menschen bloß noch unter der Erde leben können, wie man sagt, in Höhlen und Erdlöchern, weil oben alles verbrennt. Und anderswo ist auch das Territorium, ein Landstrich am Meer, am Strand.
In seinem neuen Stück begibt sich Thomas Freyer auf eine Gedankenreise in eine düstere, nicht allzu ferne Zukunft. Wenn die Mauern und Zäune um Europa noch höher geworden, wenn die Grenzen ganz dicht gemacht sind. Wenn es keine Fluchtrouten mehr gibt, wenn ein prekärer, fragwürdiger Status quo um jeden ...
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Theater heute Jahrbuch 2019
Rubrik: Neue Stücke, Seite 166
von Felicitas Zürcher
«There’s no time here, not any more.»
Mark Fisher
Vielleicht hat selten jemand Foucault so konsequent und düster zu Ende gedacht wie Mark Fisher, vielleicht hat es auch kaum jemand wirklich ausgehalten, ihn so zu Ende zu denken, wie man sagt, zu Ende denken, wenn es das überhaupt gibt, etwas zu Ende denken, jemanden zu Ende denken, überhaupt etwas irgendwann zu...
In einem Aufzug, ca. 30 Messegäste. Man hört in regelmäßigen Abständen einen Papagei «loop, loop» krächzen.
Philipp Preuss Wir begrüßen alle Zuschauer und wollen gleich in medias res gehen. Zu meiner Linken begrüße ich Laura Bartleby und – nach längeren Ausreiseproblemen – Anatol Attivic aus Moskau, zu meiner Rechten Brian Cameo, der gerade aus L.A. eingetroffen...
Immer wieder sehen wir das ernste, ruhige, nachdenkende und schelmische Gesicht von Cleo, das so viele Gefühle bewegt, die wir nicht lesen können. Sie ist das Kindermädchen im Haushalt einer privilegierten weißen Familie der Mittelschicht, die im behüteten Stadtteil Roma in Mexico City lebt. Cleo ist Mestizin und kommt aus dem Dorf Oaxoca. Sie bedient zusammen mit...
