Zeitarbeit
Die Vorstellung begann um 8 Uhr. Als ich um 10 auf die Uhr schaute, war es erst halb 9.» (Alfred Kerr) Dass sich im Theater bisweilen die erlebte Zeit ganz erstaunlich dehnen kann, ist ein bekanntes Phänomen. Zumal das Theater seinen Besuchern meist wenig Spielraum zugesteht, die Zeit mit etwas anderem totzuschlagen als mit Theater. – Dass theaterspezifische Langeweile auch als homöopathisches Mittel gegen soziale Beschleunigungsprozesse eingesetzt werden kann, war eine von diversen Thesen auf der Jahrestagung der Dramaturgischen Gesellschaft.
Zeit ist zwar räumlich gesprochen ein weites Feld, andererseits kann man von ihr auch nie wirklich behaupten, sie sei nicht aktuell.
Dass (das) Theater Zeit braucht, leuchtet unmittelbar ein. Aber braucht die Zeit, genauer gesagt unsere, auch das Theater? Natürlich freut sich das Theater als Subventionsempfänger, wenn Gesellschaftsexperten seine sozialhygienische Funktion («Entschleunigungsoase») entdecken. Andererseits fühlt man sich auch nicht zu Unrecht als gut geölte «Produktionsmaschine». Ob nun ausgerechnet das, was an der Institution Theater aus kulturkritischer Sicht schätzens-, auch theaterpraktisch schützenswert ist, darüber ...
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Still war es um ihn geworden in den 90ern, als hätten das Ende der Ära Strauß und die Wiedervereinigung seine Interventionen überflüssig gemacht. Und damit ihn, den Filmemacher, Dramatiker, Lyriker, Romanautor, Maler, Bildhauer, Theaterregisseur, Grantler und Provokateur: Herbert Achternbusch, Universalkünstler, Anarchogenie, Poète maudit. Doch nun scheint sich...
Für die einen ist Krieg ein Job, mit dem sich ein Bruchteil des Geldes, das man nie erben wird, verdienen lässt. Für die anderen ist er ein Skandal, eine ethische Katastrophe, ein Verbrechen an der Menschlichkeit, in der Praxis ausgeübt von Leuten, die mehr oder weniger von Natur aus Dumpfbacken oder Sadisten sind. Oder, wie es der Waffenverschärfer Paul aus Simon...
Wind macht diese Inszenierung nur einmal, gleich zu Anfang, wenn die vierte Wand aufklappt, zu Boden kracht, den Blick in eine knallgelbe Box öffnet und eine Luftdruckwelle über die Köpfe des Publikums fegt. Was folgt, ist ein Sturm, ach was, ein Tornado aus Worten. Wirbelt eine Stunde, dreht sich um drei Frauen, Barbara, Silvia, Anika, drei Damen vom Jugendamt,...
