Hilfssheriffs im Authentizitätsterror

Urböse oder hip: die neuen Öffentlichkeiten.

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Ich würde erstmal kühn behaupten, dass es mich als Wutbürger gar nicht gibt. Außer natürlich bei himmelschreienden Ungerechtigkeiten und Urbösem (Bankenskandale, Korruption, Atomproblematik, Dritte Welt und ein paar weiteren, insgesamt mindestens sieben Todsünden). Eine dieser sieben Todsünden sind die seit längerem grassierenden Zerr- und Zerfallsformen von Öffentlichkeit, Basisdemokratie und Partizipation.



Affirmativ weichgespült Wut auf den Wutbürger – jawohl, da könnte ich mich richtig reinstei­gern, und wie ein echter Wutbürger finden, dass ich Recht habe, weil ich endlich mal so richtig echt wütend bin und ein echtechtes Gefühl in meiner ansonsten affirmativ weichgespülten Seele entdecke. Ja, ich habe richtige Wut auf die Wutbürger, und wäre ach so gern selber einer! Ist ja toll, wie wütend Heinz und Carla sein können! Die ketten sich sogar an einen Baum! Die haben Charakter! Und kriegen dann auch noch den französisch-surrealistischen Authentizitätsorden verliehen. Authentizität ist immer gut und schafft es mühelos, Argumente zu ersetzen. Mit Formen von bürgerlich-politischem Protest aber hat das nicht unbedingt viel zu tun. Der Wutbürger wählt stimmviehmäßig jahrzehntelang ...

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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Joachim Lux, Seite 34
von Joachim Lux

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I.
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