Das Märchen vom großen Geld

Lucy Prebbles «Enron»

Theater heute - Logo

Es war einmal ... im Herzen der ökonomischen Welt, im Herzen Amerikas, Texas, da gab es einmal ein Unternehmen» – so beginnt das Märchen von einem, der auszieht, ein König zu werden. Und er zieht aus, er wird ein König, und er wird wahnwitzig reich, und dann kommen die Neider und nehmen ihm alles wieder weg und werfen ihn in den Kerker bis an sein Lebensende. Aber wenn die Finanzwelt bei Drucklegung nicht im Orkus verschwunden ist, dann leben seine raffinierten Ideen noch heute.



«Enron» handelt vom ungeheuerlichen Aufstieg und Fall des gleichnamigen texanischen Energie-Multis, der 2001 in einer Milliarden-Insolvenz den größten Unternehmensskandal offenbarte, den die US-Wirtschaft bis dato erlebt hatte. Top-Manager erhielten für unerhörte Bilanzfälschungen jahrzehntelange Haftstrafen. Heute sind die Finanzpraktiken, die man im Prozess vor vier Jahren als eindeutig kriminell einstufte, gang und gäbe und Mitverursacher einer Krise, mit der sich das Theater in der vergangenen Spielzeit ausführlich beschäftigt hat. Das Märchen endet prophetisch mit den Worten des gestürzten Königs, Enron-Prä­sident Jeffrey Skilling: «Ich wollte nur die Welt verändern. Und es wird eine Zeit kommen, in ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2010
Rubrik: Die neuen Stücke der Spielzeit, Seite 194
von Kathrin Mädler

Vergriffen
Weitere Beiträge
Dass es so weitergeht

Die Ausgangssituation des Stückes «Tod und Auferstehung der Welt meiner Eltern in mir» von Nis-Momme Stockmann wird vom Autor charakterisiert durch eine Farbe, die eigentlich eine Nicht-Farbe ist: grau. Grau wie ein Gesicht, aus dem die Farben schwinden, grau wie die graue Maus, die ein Sinnbild für die Unscheinbarkeit ist, oder wie die graue Eminenz, der etwas...

Wahnsinn! Liebe! Tod!

Sex und Crime, Drugs und Philosophie: das Leben eben. Tragisch, komisch, tragikomisch. Rebekka Kricheldorfs gigantische, hemmungslos ins Absurde getriebene Gesellschafts-Saga in drei Teilen, die moderne Helden-Mythen der Comic-Literatur zu einem Netzwerk aus Abhängigkeiten, Lüsten und Süchten verwebt, beginnt mit Gotham City I – das Stück «Eine Stadt sucht ihren...

Alte Sachlichkeit

 

Nicolas Stemanns Inszenierung der «Heiligen Johanna der Schlachthöfe» am Deutschen Theater Berlin folgt einer relativ simplen, aber wirkungsvollen Versuchsansordnung. Stemann führt vor, dass Börsenspekulanten und Fleischhändler, der Chor der nervösen Kleinanleger und die naive Johanna, die im Namen des Herrn ans Gute im Menschen und Marktteilnehmer glaubt,...