Vom Gebrauch des Menschen
In Christian Petzolds Filmen wird wenig gesprochen und viel gezeigt: Gesichtslose Stadt- und Landschaftsräume in Wolfsburg oder Jerichow, Durchgangsstationen einer unwirtlichen Moderne, durch die sich Menschen wie Zombies einer entfremdeten Gegenwart bewegen. Gespensterreiche, aufgeladen mit den sprechenden Requisiten einer gleichgeschalteten Konsumwelt. Im Deutschen Theater und bei seiner ersten Bühnenarbeit verzichtet Petzold auf jede konkrete Verortung.
Einen Vanilla Cube in perspektivischer Verjüngung hat er sich von Henrik Ahr bauen lassen, zart changierend ausgeleuchtet und abgeschlossen durch ein Bild des nächtlichen Berliner Urbankrankenhauses, auf dessen strukturelle Ähnlichkeit mit einer ernüchterten Böcklinschen Toteninsel ein Einlegebildchen im Programmheft nachdrücklich hinweist. Bei genauer Betrachtung erweist sich das Bild als Film, in dem in den nächsten zwei Stunden in Echtzeit fast unmerklich der Morgen graut, während Krähenschwärme lautlos über den Kanal vorm Spital flattern.
Eine Zentralperspektive ins Totenreich: genau der Blick, den die drei älteren Schnitzler-Alter-Egos auf ihrem einsamen Weg konsequent verweigern. Lieber starren sie wehmütig zurück, in ...
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Schon lange fällt auf, dass in der aktuellen Stückeproduktion geschichtliche Zusammenhänge zumeist ausgeblendet werden und der Problemfall «Familie» in der Regel als kurzatmiges Close-up inklusive einer obligatorischen Prise Inzest verhandelt wird.
Marius von Mayenburg dagegen kümmert sich um eine die Generationen übergreifende und das Leben einer Familie...
1. Im Februar, als alles vorbei war, die zehn Aufführungen nominiert und publik gemacht, fuhr ich, schon für meine zweite Jury-Periode, nach Graz zum «König Lear» von Peter Konwitschny mit Udo Samel. Es kam, wie es kommen musste: Im Foyer lief ich dem Kollegen St. über den Weg, der an der Auswahl in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung», wie in den letzten Jahren,...
Gleich in der ersten Einstellung von Lola Randls Debütfilm «Die Besucherin» überfährt Agnes einen Mann, der ihr offenbar von seinem Balkon direkt vors Auto gesprungen ist. Die Sachlichkeit, mit dem sie dem durchaus mitfühlenden Polizisten Rede und Antwort steht, ist beängstigend.
Agnes ist fremd, eine Besucherin in ihrem eigenen Leben, eingesperrt in Routine wie...
