Das Fundament der Demokratie
Dieses Amt ist kein Spaziergang. Die fiktive dänische Ministerpräsidentin Birgitte Nyborg wird in den ersten beiden Staffeln der Fernsehserie «Borgen» (benannt nach dem Kopenhagener Regierungssitz Christiansborg) nach allen Regeln der Macht in die Mangel genommen: Ihre Ehe zerbricht im Zeitraffer, beide Kinder bekommen psychische Probleme, selbst ihren besten Freund und politischen Mentor verrät sie aus Gründen der Staatsraison und, letztlich, des Machterhalts.
Auch auf Seiten der Politik fällt die Bilanz eher deprimierend aus: Für jeden Schritt in Richtung Offenheit, Diversität und Emanzipation muss Birgitte als Chefin der «Moderaten» mindestens eine Konzession machen. Mehr Frauenquote gleich weniger Umweltschutz, Friedenstiften in Afrika gleich Vergünstigungen für die heimische Industrie und so weiter, bis ihr am Ende von Staffel zwei nur eine Option beibt: Neuwahlen.
Man kann «Borgen» einiges vorwerfen – allem voran natürlich die Vereinfachung politischer und medialer Prozesse, die die Seriendramaturgie in jeder Folge zuverlässig auf den gleichen Schmerzpunkt hin zuspitzt: Ein Kompromiss muss geschlossen werden. Dass es nur allzu oft ein fauler ist, verschweigt die Serie jedoch ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute April 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Eva Behrendt
Die Zombifizierung des Menschen im Maschinenzeitalter ist länger schon ein Thema für Claudia Bauer. In Dortmund setzte die Regisseurin Fassbinders «Welt am Draht» um. In Leipzig ließ sie jüngst für Wolfram Hölls «Und dann» Puppenmenschen wie von Radiowellen gesteuert durch ein surreales Erinnerungshaus schlurfen. Unter Pinocchiomasken.
Es ist gefühlt kein weiter...
Aufführungen
Er war der erste, der sich an die ganz, ganz dicken Schmöker getraut hat: Frank Castorf, der seit zwanzig Jahren nicht nur Dostojewski zu langen, langen Theaterabenden kompiliert. Am Münchner Residenztheater hat er sich jetzt Jaroslav Haseks 1000-seitigen Schelmenroman «Die Abenteuer des guten Soldaten Svejk im Weltkrieg» vorgenommen, Länge des Abends...
Sie ist noch immer flink wie ein Wiesel. Wie sie leichtfüßig die Treppen des Burgtheaters hochhüpft, würde man nicht glauben, dass Elisabeth Orth, ehrwürdige Kammerschauspielerin und Doyenne des Hauses, gerade ihren 80. Geburtstag gefeiert hat. Zum Fotografen meint sie ziemlich direkt, er möge sie bitte weder «plüschig noch neckisch» abbilden, das entspreche nicht...
