Dämonen etc.: Der Existenzbeauftragte
Als Rainald Goetz noch kein preisgekrönter Schriftsteller und Dramatiker, sondern Kinder–buchrezensent war, «destillierte» er aus den Kritiken von Benjamin Henrichs, Michael Skasa und Peter von Becker sämtliche Adjektive, um sie später in eigenen Texten verwenden zu können.
Doch Joachim Kaiser, einst Feuilletonchef der «Süddeutschen Zeitung», schickte den jungen Kritiker zu Trainingszwecken ins Boulevardtheater und nicht an die Münchner Kammerspiele, und obwohl sich Rainald Goetz noch «auf dem Skilift» den Kopf zerbrach, ob und wie nun darüber zu schreiben sei, lieferte er am Ende keine Besprechung ab.
Wer weiß, wo der doppelt promovierte Goetz gelandet wäre, wenn er sich zum Beispiel auf die klassische Kritikerlinie hätte einnorden lassen? Vielleicht ja nicht im voll besetzten Hörsaal 1b an der Freien Universität Berlin, wo er im Rahmen seiner Antrittsvorlesung für die an den ihm just verliehenen Berliner Literaturpreis gekoppelte Heiner-Müller-Gastprofessur auch von seiner kurzfristigen, von ihm selbst durchaus für sinnvoll befundenen Tuchfühlung mit der journalistischen Gebrauchstextform berichtete. Es war ein sommerlicher Frühlingsabend, und noch während die Zuhörer c.t. in ...
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Theater heute Juni 2012
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Eva Behrendt
6./Mittwoch
20.15, arte: Auf der anderen Seite Spielfilm (2007), Buch und Regie Fatih Akin, mit Baki Davrak, Hanna Schygulla, Patrycia Ziolkowska u.a.
0.20, arte: Die Stille nach dem Schuss Spielfilm (1999) von Wolfgang Kohlhaase, mit Bibiana Beglau, Martin Wuttke, Nadja Uhl, Jenny Schily u.a., Regie Volker Schlöndorff
7./Donnerstag
22.45, ARD: Die zwei Leben des...
Ein ungarisch-österreichisches Grenzschloss bei Rechnitz Mitte des vergangenen Jahrhunderts atmet einen gewissen Stil. Die rautenbespannten Wände, die Reitstiefel in der Garderobe verbreiten gediegene Jagdschloss-Atmo, gleich kommt der Herr Graf um die Ecke und bittet zur Fuchsjagd. Stattdessen schauen fünf grinsend befrackte Schlossgespenster herein, edel...
Zunächst mal: Warm machen! Aus dem Orchestergraben tönen in unregelmäßigen Abständen die ersten Takte von Monteverdis «L’Orfeo» von 1607. Auf der Bühne häufelt ein glitter–geschminktes Girl im hautfarbenen Minikleid einen Kreis aus weißen Steinen auf, balanciert dabei auf schwindelerregenden Pumps, zumal, wenn sie sich ganz tief hinabbeugt und den Popo in Richtung...
