Das Reifen der Avantgarde

Das Festival «Foreign Affairs» der Berliner Festspiele stellte zum vierten Mal die europäische Avantgarde ins Zentrum. Wie lang die Geschichte dieser Kunst abseits der deutschen Stadttheater in andern Ländern ist, machten die größten Programmpunkte – Jan Fabre, Needcompany – dieses Jahr gleich selbst zum Thema

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Nach 23 Stunden und 45 Minuten stehen alle auf im Saal und heben die Arme. Die Beats sprechen den Befehl aus, und der goldene Wabbelkörper von Dionysos schüttelt auf der Bühne, was er hat, und das ist viel. Als auch noch der Bass droppt, wie man in der Clubmusik den Moment nennt, wenn nach einer Basspause die Tiefen wieder einfahren, ist es um die Menge geschehen. Erlösung, Verzückung. Reine Gegenwart: Wir sind nicht im Berghain oder einem anderen Feierladen, sondern in den Berliner Festspielen, Sonntagnachmittag, kurz nach vier. Draußen scheint die Sonne, es geht ein leichter Wind.

Kurze Zeit später stehen die ersten Handyvideos von «Mount Olympus» auf Facebook. Mit der Uraufführung von Jan Fabres Antikenexzess hat sich das Festival «Foreign Affairs» viele Likes geholt. 17 Jahre nach «Rave» von Rainald Goetz naschte die Theatergemeinde wieder einmal von der Nacht. Von der Unvernunft, von der Ekstase, die sich nicht in das blendende Licht der Sprache übersetzen lassen, ohne dass die Pupillen schreien. Diesmal liefert der Stoff aber nicht die dichte Beschreibung wie bei Goetz – «wir schauten uns um und lachten. Sehr geile Musik jetzt». Fabre verstreut das Zeug über einen ganzen Tag, ...

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Theater heute August/September 2015
Rubrik: Festivals, Seite 28
von Tobi Müller

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