Was man in Deutschland denkt, fühlt und ist
Nach stundenlangem Kampf neigt sich die Bunkerdecke ein letztes Mal. Die Blechgeschirre mit der Henkersmahlzeit scheppern zu Boden, Leichen rutschen malerisch über die Schräge, dumpfes Wummern liegt in der Luft. Nur zwei Recken können noch aufrecht stehen: Gunther und sein braver Hagen, der ihm noch im Untergang den Rücken zur Sitzgelegenheit krümmt. Treu bis in den Tod. Dann kommt es, wie es kommen muss: Schwertgeschlitzt sinken auch die letzten Krieger hin.
Eisernes Pathos regiert das Finale von Andreas Kriegenburgs Münchner «Nibelungen».
Der suggestive Pomp um unverbrüchliche Mannesehre im Auge des sicheren Untergangs kennt kein Entweichen und dürfte noch den härtesten Wehrmachts-Rentnern eine Träne aus den greisen Augenwinkeln locken. Auch die Wirkung auf sentimentalere Gemüter ist beschreiblich. Man muss es in den Kammerspielen gesehen haben, im geschmackvollsten Jugendstil-Wohnzimmer der Bühnenrepublik, wie es so manchen theaterbegeisterten Mittvierziger, die gut verdauten Weißbiere an den Hüften, von den Sitzen hochreißt zum stehenden Applaus. Und noch beim Berliner Theatertreffen-Gastspiel in der ideologiezertrümmernden Volksbühne donnerte der Zuspruch recht beachtlich.
Da ...
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Soeben hat sich der feine ältere Herr, der aus dem Kaukasus kommt und dessen türkischen Namen sich vorerst niemand merken kann, in Positur gestellt auf der Gartenbank im kleinen grünen Park des Sankt-Gertrauden-Krankenhauses in Berlin. Und auch die anderen nehmen fremde Haltungen an: Der alte Fritz zum Beispiel spielt – na klar! – den «Alten Fritz», und Carmen im...
Theater heute Wir wollen heute Nachmittag über die Ost-West-Unterscheidung reden, eine Unterscheidung, von der Sie, Armin Petras, meinen, dass sie obsolet sei. So haben Sie das jedenfalls mal in einem Interview gesagt. Diese Unterscheidung sei 15 Jahre nach der Wende erledigt. Sehen Sie das wirklich so?
Armin Petras Ja, ich denke schon.
TH Wer ist sonst noch...
… der ausgleichenden Gerechtigkeit, mit der unsere 39 Kritiker in diesem Jahr gleich vier Theater aus Hauptstadt, Nord, Süd und Ost, A- und B-Liga zum Theater des Jahres erkoren. Kopf an Kopf mit je fünf Stimmen laufen ein: Bernd Wilms’ kulturpolitisch heftig umkämpftes und schlussendlich wiedererrungenes Deutsches Theater in Berlin, Frank Baumbauers Münchner...
