Der vermeintliche Iwan

Jonathan Garfinkel «Die Demjanjuk-Prozesse» (DE, Zwinger 1)

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War er einer jener «normalen» Kollaborateure, die in den Vernichtungslagern der Nazis ihre eigene Haut retteten, indem sie Juden in Gaskammern trieben, oder gehörte er zu den Schergen, die während ihrer «Arbeit» sadistische Lust entwickelten? Darum geht es, seit Anfang der 1980er Jahre Überlebende des KZ Treblinka in John Demjanjuk jenen berüchtigten Wärter erkannt haben wollten, den man «Iwan der Schreckliche» nannte. Der erste Prozess gegen den vermeintlichen Iwan startete im Februar 1987 sinnigerweise in einem umgebauten Theater in Jerusalem.

Demjanjuk wurde zum Tode verurteilt, aufgrund einer neuen Aktenlage aber wieder freigesprochen.

Seit Ende November des letzten Jahres muss er sich nun erneut verantworten. Er soll als ukrainischer Hilfswilliger im Vernichtungslager Sobibor Dieselmotoren gewartet haben, deren Abgase unzähligen Juden einen qualvollen Tod bereiteten. Gerichtsort ist München, und dort hat die überaus theaterwirksame Figur plötzlich eine ganz neue mediale Färbung: Im Mittelpunkt steht das Bild eines dämmernden alten Mannes im Rollstuhl. Mit diesem Bild sollte man tatsächlich umgehen wollen, wenn man wie das Heidelberger Theater Jonathan Garfinkels «The Trials of ...

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Theater heute Juli 2010
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Jürgen Berger

Vergriffen
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