Im Bau
Wenn der Regisseur Kriegenburg und der Bühnenbildner Kriegenburg auf Franz Kafka treffen, darf man auf eine kreative Kollision hoffen. Die kam jedenfalls 2008 an den Münchner Kammerspielen zustande, als Andreas Kriegenburg Kafkas «Prozess» radikal in die Vertikale setzte, ein Bühnenbild, um 90 Grad gekippt, in dem der verachtfachte Joseph K. sich durch sein vollgerümpeltes Zimmer hangelte, das keinen Halt bot und keinen Ausgang hatte.
Sieben Jahre später nun also eine neue Annäherung an den Alpträumer Kafka, und auch fürs Deutsche Theater hat Kriegenburg einer multiplizierten Personnage ein Bühnenbild geschaffen, das sich den Gesetzen der Horizontalen entzieht: Kuben, aus den Fugen geraten, vier ineinander gestürzte, Sixties-pastellige identische Zimmerchen mit Stehlampe, Zimmerpflanze, String-Regal und lindgrünem Sofa, über dem riesig mit verträumtem Blick Judy Garland hängt, deren gesummter «Wizard of Oz»-Song «Somewhere over the Rainbow» gleich zu Beginn das Leitmotiv des Abends setzt: «Birds fly over the rainbow, why then, oh why can’t I?»
Der deutsche Angstbürger
Über den Regenbogen fliegen: ein Treppenwitz im Kosmos dieser Kafka-Figuren, die ja nicht mal zur Zimmertür ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute April 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 7
von Barbara Burckhardt
Peter Handke war und ist eine Zumutung für das Theater. Zuerst, in den frühen «Sprechstücken», trieb der Autor es systematisch an seine formalen Grenzen. Seit «Über die Dörfer» (1981) schreibt er dramatische Gedichte, in denen es zwar vergleichsweise konventionelle Dialoge und Figuren gibt, die auf ihre Art aber ähnlich weit weg vom Drama sind wie Elfriede...
Dieses Amt ist kein Spaziergang. Die fiktive dänische Ministerpräsidentin Birgitte Nyborg wird in den ersten beiden Staffeln der Fernsehserie «Borgen» (benannt nach dem Kopenhagener Regierungssitz Christiansborg) nach allen Regeln der Macht in die Mangel genommen: Ihre Ehe zerbricht im Zeitraffer, beide Kinder bekommen psychische Probleme, selbst ihren besten...
Er ist einer der linken Helden unserer Tage: Whistleblower Edward Snowden, der inzwischen incognito in Russland lebt. Auf den Stickern zur Theaterversion des Films «23» ist der Schauspieler Philippe Goos zwar in einer Pose zu sehen, die unverkennbar an den prominenten Geheimnisverräter erinnert. Es ist jedoch das große Verdienst von Regisseur Christopher Rüping,...
