Grundbeat der Kneipe
Dass echte Kerle ihre Gefühle zeigen können, beweist der Autor am Schluss, als er zum
Applaus auf die Bühne kommt. Begeistert und überschwänglich umarmt er den Regisseur, die Bühnenbildnerin und jeden einzelnen der Schauspieler, die gerade anderthalb Stunden lang seinen Mikrokosmos der Männerwelt verkörpert haben.
Simon Stephens heißt dieser gefühlsbewusste Autor, und sein vier Jahre altes Stück «Christmas» ist keine große Tragödie, sondern ein kleines, pointiertes Wahrnehmungsprotokoll, in dem es ununterbrochen menschelt, aber trotzdem keinen Dickens gibt, der, wie man es bei diesem Titel von einem Briten vielleicht erwarten würde, versteckt noch aus der Kiste springt.
Stattdessen hat sich Stephens zum Stückschreiben wohl an die Theke seines Lieblingspubs gesetzt und dort seine Lieblingsmenschen belauscht, jene Working-Class-Typen, die er mit viel Sympathie in ihren kleinen Leben beschreibt. Wie Billy, den Bauarbeiter, der mit 29 immer noch bei seiner Mom wohnt und die einfachen Freuden im Leben – Bier und Fußball – zu schätzen weiß, ansonsten aber keine Visionen für sein Dasein hat. Ihm zu Seite trinkt der alte Italiener Giuseppe alias Seppo, der seit über vierzig Jahren in ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Im Südwesten der USA gibt es kleine Städtchen aus der Zeit des Goldrausches, die heute noch vom Geist des «Ankommen, Absatteln, Claim abstecken» inspiriert sind. Wer hier in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Geschäft machen wollte, musste rechtzeitig da sein, ansonsten war das Geschäft schon wieder ganz woanders, und es erging ihm wie Rob, Micha und Katy....
Ein brisantes Zeitstück mit 40 Jahren auf dem Buckel schafft es normalerweise nicht mehr auf die Spielpläne, schließlich schreiben aktuelle Zeitmenschen ja genug dieser aufrüttelnden Werke neu. Aber Edward Bonds «Gerettet» taucht doch ab und zu mal auf wie ein seltener Pilz. Das Skandalstück von 1965 um gelangweilte Halbstarke aus proletarischen...
So hat man die Nibelungen noch nicht gesehen: Edel zwar und zart die Züge Giselhers, doch von ziemlich exotischem Adel. Omar el-Saeidi ist von ägyptischer Abstammung, 1980 in Gießen geboren. Bruder Gerenots dunkles Antlitz umrahmen schwarze Rasta-Locken. Patrick Gusset kam 1979 in Basel zur Welt, sieht aber eher nach Nordafrika aus. Und dann stürmt Siegfried auf...
