Wir sind noch mal davongekommen
Herz, mein Herz, was soll das geben? Was bedränget dich so sehr?», will man mit dem lyrischen Goethe emphatisch ausrufen, wenn einem im Bochumer Schauspielhaus Herzfrequenz-Töne entgegenwummern. Im Dunkeln kauert vor einer hochragenden, alles beherrschenden Wand Antigone. Der Clou der von Tina Lanik inszenierten Sophokles-Tragödie (Übersetzung Walter Jens) ist die Bühne und ist der Chor.
Magdalena Gut legt einen wie rostig geschmirgelten Kasten quer, dessen untere Hälfte sich um die eigene Achse dreht und wie ein Riesenriegel die Tiefe des leeren Raumes abschottet.
Es ist, als würde diese Maschine den Part der Götter übernehmen und nach ihrer physikalischen Gesetzmäßigkeit die Menschen bewegen wie die Olympier die Sterblichen nach den ihnen eigenen Dispositionen.
Auf der Box sowie in ihrem Innern und ihrem Schatten wird gespielt, geklettert, paradiert. In der Längsfläche öffnet sich ein Verschlag: für ein Glück im Winkel, in dem die zur Kleinfamilie Biedermann geschrumpfte (Chor-) Stimme des Volkes gemütliches Beisammensein pflegt. Der Vater, vielleicht Oberstudienrat im altphilologischen Fachbereich (Bernd Rademacher), die ondulierte Hausfrau und Mutter (Manuela Alphons), ...
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Er ist überliefert, der Stoßseufzer eines hilfsbereiten Beraters aus westlichen Gefilden, eingereist ins Thüringische: «Was für ein Land – auf jedem Berg ’ne Burg, in jedem Tal ein Museum und in jeder Stadt ein Theater!» In der Tat, das mit seinen rund 16.000 Quadratkilometern und noch rund zwei Millionen Einwohnern kleinste Bundesland, gern «das grüne Herz...
Ein Stück Zucker genügt, um den Kleinbürger aus der Fassung zu bringen. «Ihr habt wieder Würfelzucker gekauft?», schimpft der alte Bessemjonow (Martin Schwab), kaum dass er die Szene betreten hat. «Würfelzucker wiegt mehr und ist nicht süß genug. Also ist es Unsinn, ihn zu kaufen.» Dabei hat der gute Mann weiß Gott auch andere Sorgen. Sohn Pjotr (Dietmar König) ist...
baz@rt.de/ch, das sieht aus wie eine kryptische Internetadresse. Doch hinter dem Wortspiel mit Art und Basar steckt ein Festival, das sich mit seinem zweiten Durchgang bereits zu einem der wichtigsten Auftritte im nicht gerade festivalarmen Polen gemausert haben dürfte. Mit dem altehrwürdigen Stary Teatr als Basis gelang es den beiden Kuratoren Agata Siwiak und...
