Futterneid an der teuren Tafel
Über den Mittag essen auch schon mal Banker im schönen Biergarten. Keine Würste, eher Piccata Milanese oder ein Tandoori. An den Wochenenden feiert ein szenenunspezifisches Publikum im Restaurant Reithalle jene Art von Allerwelts-Disco, die man in ihrem unverfrorenen Balzritual provinziell nennen mag. Und am Abend erwartet das Publikum in den ehemaligen Militärstallungen des Theaterhauses Gessnerallee, dass sich das freie Theater und der Tanz auf ihrer aktuellen Höhe zeigen. Glamouröser wird’s nicht abseits des Stadttheaters. Wer hier groß rauskommt, kann noch größer rauskommen.
Sei’s für eine Koproduktion mit städtisch geförderten Gruppen, für ein nationales oder ein internationales Gastspiel, für welches paritätische Drittel auch immer: Die «Gessi» bleibt die erste «freie» Adresse im Land. Denn das Haus hat eine «Schweizer Ausbauqualität» – sagt ein deutscher Ex-Direktor –, es liegt unweit des Zürcher Bahnhofs und des Bankenviertels, vermittelt durch zwei Flüsse aber etwas Insulares. Über die Straße besetzen die Hochschule für Theater und ihre zwei Bühnen die andere Seite der «Kulturinsel», ein Werbewort, das so niemand benutzt, weil Kultur in Zürich wirklich nicht Ausnahmegebiet ...
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Der traurigste Satz in Dea Lohers an verzweifelten Ausrufen, hilflosem Geplapper, mutlosem Verstummen und endgültigen «letzten Worten» so reichem Stück «Unschuld» steht ganz am Ende: «Ich wäre gerne ein Rettungsschwimmer», sagt der illegale Immigrant Elisio. Aber da ist ja längst niemand mehr da, der sich wirklich helfen lassen würde: All die seltsamen Wesen in der...
Ungefähr fünfzehn dürfte der Knabe sein, der in Claudius Lünstedts «Zugluft» so seine Probleme mit den lieben Eltern hat. Er lebt in einer Familie, die als Beleg der These fungiert, dass sich in deutschen Haushalten seit einiger Zeit ein Erziehungsvakuum ausbreitet, in dem vor allem zunehmend autoritätsresistente und gewaltbereite Jungen heranwachsen. Der...
Life sucks. Die vier Figuren in Katharina Schlenders neuem Stück «Rosige Zeiten» können ein Lied davon singen und tun dies auch im Verlauf des Abends noch zur Genüge. Sie heißen Bruno Butterbrot, Eddi Essig, Henry Heiser und Mila Mittenzwei und scheinen einem Kinderstück entsprungen, das wegen Überschreitung des Grenzwerts für chronische Depression keine...
