Oscar Wilde: «Bunbury»
Pleasure, pleasure, pleasure sind die Losungsworte dieser Gesellschaft, die ihren Zenit auch schon überschritten hat. Doppelleben und -moral sind übliches Tagesgeschäft. Liebe nur mehr eine romantische Illusion. Sehnsuchtsträume können allenfalls durch sprechende Vornamen oder Taufregister gestillt werden. Rauchen geht im Tätigkeitsbericht als Arbeit durch, und Gurken-Sandwiches sind meinungsbildend. Etikette ist keinesfalls Selbstzweck, sondern Lebensanspruch geworden.
Geld dient dem Verjuxen – wenn man nicht gerade auf einem Bahnhof oder in einer Reisetasche auf die Welt gekommen ist. Die Familie, der richtige Stallgeruch, sollten stets stimmen, Bildung ist völlig sekundär, chic sein ist alles. Charakter braucht man letztlich, um sein anderes «Ich» zu erfinden, damit die Grenzen der eigenen Lust- und Moralvorstellungen geweitet werden und bestenfalls eben für den anderen gültig bleiben. «Ich» und «Es» auf der Suche nach dem nächsten Kick, nichts gilt mehr, alles kann behauptet werden. Und schon gehen Erziehung und Kirche höchst eigennützige erotische Verwicklungen ein, und selbstverfasste Trivialliteratur wiegt mehr als Schutzbefohlene. Ein Spiel ohne Grenzen, mit ...
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Im strahlenden Sonnenschein eilt Katie Mitchell zum Treffpunkt National Theatre Bühneneingang. Etwas zu spät wegen dringender Bankgeschäfte – das Wort Island fällt –, etwas in Eile, weil sie in ein paar Stunden der Presse ihr frischgeschriebenes Buch «The Director’s Craft» vorstellen wird. In ihrem Rucksack schwere Wälzer anderer Natur: Sie recherchiere gerade zwei...
Zurzeit ist es schwierig, jemanden aus der New Yorker Theaterwelt ans Telefon zu bekommen. Seit zwei Monaten redet die Stadt über nichts anderes als den Zusammenbruch der Wall Street, den globalen Finanz-Meltdown, steigende Arbeitslosenzahlen und die anstehende Kreditkartenkrise. Erst seit der Wahlnacht ist die Stimmung besser, und die Obama-Euphorie möchte man...
Aber natürlich sollen die Theater, also wir, jetzt etwas zur Bankenkrise machen! Endlich mal ein Thema, bei dem man weiß, dass es die Zuschauer auch dann noch beschäftigt, wenn der Apparat endlich angeworfen ist und in ein paar Monaten die ersten Ergebnisse ausspuckt. Zumal ja gerne gesagt wird, man wisse nicht genau, bei wem die Krise wann und wie heftig ankommen...
