Entthronung der Päpste
Die Heinzelmännchen sind am Werk. Sie hämmern und sägen, sie klopfen und stechen und zerstören alles, was ihnen unter die Finger gerät. Dann setzen sie es neu zusammen. Im Untergrund, offenbar unter dem Cloître des Célestins (unverkennbar der mittelalterliche Kreuzgang mit den beiden Platanen), bearbeiten sie ihre Fundstücke. Eine Damenhandtasche, ein Taschenbuch, sind es die Dinge, die die Zuschauer liegengelassen haben? Nein, auch ein Beichtstuhl, ein bemitleidenswerter Stoffhund.
Ohne Zögern geht ihm Mütterchen Schnurrbart mit der Säge an die Schnauze, ein feister, glänzender Engerling.
Keule gegen die Hochkultur
«Oncle Gourdin» heißt das Spektakel, mit dem sich Sophie Perez und Xavier Boussiron in Avignon vorstellen: «Onkel Knüppel», und da wird nun mit der großen Keule angerichtet, sozusagen. Man kann sich die Heinzelmännchen ja gut vorstellen in der mittelalterlichen Stadt. Wenn auch eher sanft an einer Laute zupfend und singend, «Sur le pont d’Avignon» zum Beispiel. So zeigen sie sich tatsächlich, aber nur in der ersten Minute. Da drapieren sie sich apart unter die Renaissancebögen des Zölestinerklosters; es dauert nicht lange, die Lautenklänge werden wild und punkig.
Ähn ...
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Theater heute Oktober 2011
Rubrik: Festivals, Seite 18
von Andreas Klaeui
Gegen die Idee gibt es gar nichts einzuwenden: die amerikanischen Großstadtneurotiker aus Woody Allens Film «Husbands and Wives» mit Tschechows russischen Landneurotikern aus der «Möwe» zu vermengen. Zweimal in Lethargie und erotischen Projektionen auf blutjunge Mädchen dahinsiechendes Bildungsbürgertum, larmoyante Dekadenz des Geistes und der Glieder, lange...
Sonntag, 2.
10.00, arte: Der Hässliche – von Marius von Mayenburg, mit Frédéric Cherboeuf, Delphine Cogniard u.a., Regie Denis Caiozzi. Aufzeichnung aus dem Théâtre de Grenoble (2011)
Montag, 3.
13.05, arte: Max Frisch, Citoyen – französischer Dokumentarfilm (2008) von Matthias von Gunten
16.15, arte: Marcel Reich-Ranicki: Mein Leben – Fernsehfilm (2009) von Michael...
Der «bedeutendste Theatermann der Schweiz», als den Thomas Blubacher den langjährigen Zürcher Theaterdirektor Oskar Wälterlin in seiner Biografie beschreibt, ist Wälterlin weder zu seinen Lebzeiten noch vor 50 Jahren gewesen, als ihm das in so manchem Nachruf attestiert wurde; allenfalls war er, wie ihn Rolf Liebermann aus Opernintendantensicht titulierte, «die...
