Der Weg ins Dunkel und der Weg ins Licht
Monotones, dumpfes Wummern, schier endloses, auf- und abschwellendes Gebrumm, bevor der Vorhang sich öffnet, soll die Zuschauer schon vorab in die Verzweiflung treiben, die in Iwanows Kopf dröhnt. Dann auf der Bühne, ein Zimmerfragment: Stuhl, Tisch, Heizkörper (wir sind im kalten Russland), Neonlicht. Ein Mann bewegungslos im knöchellangen schwarzen Wintermantel mit roter Wollmütze und Buch am Tisch. Sein Puppendouble liegt schon leblos wie erschlagen, mit Strumpfmaske entindividualisiert, unter dem Tisch.
Eine weiß gekleidete Frau, schön wie eine Engelserscheinung, wirft sich liebkosend auf die Puppe. Der Mann auf dem Stuhl steht auf und schlurft auf die andere Seite der Bühne in einen Herrgottswinkel für kunstreligiös Gläubige mit Votivbildchen, einer Büste (Tschechow, Puschkin?), einer brennenden Kerze (Bühne: Rocco Peuker).
Iwanows Krankheit ist Bewusstseinsverdopplung, nicht -spaltung. Er steckt im Morast der Selbstbeobachtung, ein lähmendes Zuviel der Distanz zu sich selbst. Ein Experte seiner Schuld. Alle sehen in ihm den trickreichen, geldgierigen Betrüger, den perfiden Mitgiftjäger. Er selbst sieht bei sich eine ganz andere Schuld: seine Passivität, seine sich selbst ...
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Theater heute Februar 2017
Rubrik: Aufführungen, Seite 21
von Gerhard Preußer
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