Die Wunden der Überlebenden
Das Stück ist eine Irritation. Vor zwei Jahren hatte es seine Uraufführung in Kopenhagen, und schon damals muss es wie aus der Zeit gefallen gewirkt haben. Ein Eindruck, der nun, bei der deutschsprachigen Erstaufführung, noch stärker ist.
Alexander Nerlich inszenierte Dejan Dukovskis «Leere Stadt» im Marstall-Theater des Bayerischen Staatsschauspiels in München, und es wirkte, als tauchten aus dem Dunkel des nur zu gern ersehnten Vergessens zwei Figuren auf, die wie müde, traurige Clowns in einer sich in Trümmern auflösenden Welt herumstehen und dabei an einen Krieg gemahnen, von dem heute keiner mehr etwas wissen will.
Der mazedonische Dramaturg und Film-Dozent Dukovski wurde Ende der neunziger Jahren bekannt mit dem Stück «Das Pulverfass», einem (tatsächlich quasi Schnitzlerischen) Reigen des Grauens – kaum war eine Figur als Täter vorgestellt, war sie in der nächsten Szene auch schon tot. Das Irritierende an dem Stück war, dass Dukovski es als Vorahnung des Bürgerkriegs verstanden haben wollte, als einen Vorgriff auf das, was kommen sollte, längst aber schon passiert war. Denn in Dukovskis Stücken geht es, auch wenn man in «Leere Stadt» in der Ferne Geschützdonner hören kann, ...
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Thomas Assheuer Herr Haneke, für Ihren Film «Das weiße Band» sind Sie mit Lob überschüttet worden, in Cannes gab es 2009 dafür die Goldene Palme, und den Europäischen Filmpreis haben Sie auch bekommen. Vor allem für die Kinderszenen hat man sie gefeiert. Wie haben Sie die Kinder gefunden?
Michael Haneke Es war viel Arbeit. Wir wollten ja nicht nur begabte Kinder...
Ein bisschen Abwechslung muss sein! Und immer Berlin ist auch langweilig. Also zieht es DT-Hausregisseur Andreas Kriegenburg mit Goldonis «Diener zweier Herren» nach Frankfurt, und Gorki-Chef Armin Petras verschlägt es erstmalig an die Münchner Kammerspiele. Auch in seinem Doppelprojekt «Krieg» meldet sich, neben Kleists tragischem «Robert Guiskard», Goldoni zu...
Um es gleich mal vorweg zu sagen: Hier geht es nicht um Unterschichts-Tristesse und Statusverlustängste von ehemals Besserverdienenden. Oder zumindest nicht so, wie man es in letzter Zeit gewohnt ist – gepaart mit trüben Aussichten und chronischer Weltuntergangsparanoia. In Sebastian Nüblings Münchner Kammerspiel-Inszenierung von «Endstation Sehnsucht» ist man...
