«Ich glaube an die produktiven Nester»
Franz Wille Herr Baumbauer, Sie haben sich 2000 in Hamburg nach sieben Jahren vom Deutschen Schauspielhaus verabschiedet, als das Theater auf der Höhe seines Erfolgs war. Danach in München 2001 war der Start nicht einfach; es hat gedauert, bis sich die Kammerspiele in der Außenwahrnehmung und beim Publikum durchgesetzt haben. Jetzt verabschiedet sich Herr Baumbauer wieder. Warum hören Sie eigentlich immer auf, wenn’s am schönsten ist?
Frank Baumbauer Ich habe Sorge vor der Routine, der man im Erfolg nicht entgehen kann. Ich jedenfalls nicht.
Wenn man keinen Erfolg hat, stellt sich die Frage anders. Ich weiß, wie schnell die Erotik verblassen kann. Man denkt immer noch, man sei der tollste Typ im Lande, und keiner traut sich zu sagen, dass es langsam Zeit wird, aufzuhören. Um dem zuvorzukommen und als Flucht vor der eigenen Befürchtung, höre ich lieber selbst auf. Der Wechsel eines Hauses oder einer Stadt ist einfacher, als im eigenen Haus mit dem ähnlichen Personal etwas Neues zu beginnen. Deshalb haben wir Intendanten auch das Privileg, die Theater und Städte wechseln zu dürfen. Das Problem meines Berufes ist, dass man es zwei Jahre vorher wissen und ankündigen muss. Wenn die ...
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Ein letztes Mal noch wird Alexander Scheer auf den Brettern stehen, die für ihn nie die Welt bedeutet haben. Dann ist Schluss. Im Herbst gibt er sein Debüt an der Wiener Burg. Stefan Pucher wird Regie führen, Wolfram Koch den Antonius, Catrin Striebeck die Cleopatra spielen, und er selbst keinen Geringeren als Julius Cäsar. «Dann reicht’s wirklich!» Scheer weiß,...
Nis-Momme Stockmann ist ein heißer Tipp. Verschiedenes hat er bereits geschrieben, einen Film gedreht, war mit zwei Stücken auf den beiden deutschen Stückemärkten. In Heidelberg hat er soeben den Autorenpreis gewonnen. Dabei ist er 28, und seine Stücke sind bis dato nicht aufgeführt. Noch nicht.
Wenn man die Stücke junger deutscher Dramatiker liest, fühlt man...
In Elfriede Jelineks Texten reden sich die Leute zuverlässig um Kopf und Kragen. Besonders, wenn sie sich Mühe geben, nichts Falsches zu sagen. Aber was soll man in «Rechnitz (Der Würgeengel)» über ein Massaker an 180 Juden und anschließende Jahrzehnte des Totschweigens auch Richtiges sagen?
In Dennis Kellys Texten dagegen kommt für das Zuschauerauge kaum jemand so...
