Das Gegenteil von Museum
Im neuen Pollesch spielt eine Drehbühne mit.» So beginnt auf «nachtkritik» die Rezension zu «Die Revolver der Überschüsse» 2013 in Stuttgart. «Mal zickt sie herum, mal kreist sie elegant um sich selbst. Eine echte Diva eben.» Der Kollege von der «Stuttgarter Zeitung» gerät bei Janina Audicks «Wimmel-Bühnenbild aus vielen Gebäudeteilen mit lauter verwegenen Spitzen, Triolen und Diagonalen» in geradezu existenzielles Schwärmen.
Es kreise «immer wieder an uns vorbei, verheißt uns Wechsel und Veränderung, Fluss des Lebens und der Gezeiten – obwohl ja letztlich immer alles nur gleich bleibt und wiederkehrt. Allein für diese Idee, dieses Bild lohnt sich schon der ganze Abend.» Ganz oben auf die konstruktivistisch anmutenden Raumelemente hat die Bühnenbildnerin eine Leuchtschrift platziert, die auffallend schräg im Gesamtbild hängt: «TALENT».
Dass auch das erste Arbeitsbuch, das einen Überblick über 20 Jahre Bühnen- und Kostümbilder von Janina Audick verspricht, «Talent» heißt, überrascht also erst einmal nicht. Doch der Titel ist nicht einfach Selbstzitat, sondern Geste der Appropriation: «Talent haben normalerweise die Männer», schreibt die Videokünstlerin Constanze Ruhm in der ...
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Theater heute Dezember 2018
Rubrik: Büchermagazin, Seite 70
von Anja Quickert
Eva Behrendt Lassen Sie uns über die Möglichkeiten von Autorschaft als Schauspielerin sprechen! Als Sie Anfang der 1990er Jahre nach Berlin an die Ernst Busch Hochschule kamen – war damals davon schon die Rede?
Ursina Lardi Nein, in der Ausbildung war das kein Thema, und auch ich habe mir erst später Gedanken darüber gemacht. Vielleicht sprechen wir lieber gleich...
Nach dem Zweiten Weltkrieg haben wir uns totgesiegt.» Diesen Satz möchte der Historiker Philipp Blom «gerade den linken, liberalen Intellektuellen» zur Eröffnung der Intendanz Johan Simons ins Stammbuch schreiben: Das Bewusstsein, aus einer Position der Macht und der Privilegien zu sprechen, zu lehren, politische Kunst zu machen, war in der Tat lange Zeit nicht...
Vor noch nicht einmal zehn Jahren schien Brasilien in eine rosige Zukunft zu sehen. Luiz Inácio Lula da Silva, der als Gewerkschaftsführer und Mitbegründer der Arbeiterpartei PT nach dem Ende der Militärdiktatur seit 1989 sozialistischer Kandidat bei allen Präsidentschaftswahlen gewesen war, hatte 2002 und 2006 diese Wahlen mit Rekordergebnissen von jeweils 61...
