Nach uns der Goldglanz
Verdienen wir überhaupt, glücklich zu sein?» Alexander, der wortkarge Typ vom Nachbargrundstück, hieß in Tschechows Originalversion der «Drei Schwestern» noch mit Nachnamen Werschinin, war russischer Offizier und bedauernswerter Gatte einer kranken Ehefrau, die er am Ende doch nicht mit den Kindern allein lassen wollte, obwohl ihm das Liebesglück für ein paar Monate in Gestalt der verheirateten Generalstochter Mascha vor der Nase baumelte.
Auch sein zeitgenössischer Wiedergänger Alexander hat in der «Drei Schwestern»-Fassung von Simon Stone das mögliche Glück erst vorsichtig bewundert, dann aber mutig angetestet, bevor er es mit der oben gestellten Frage zurückweist.
Als alle noch Kinder waren, haben die wohlhabenden Geschwister den Sohn des Automechanikers kaum beachtet – Jahre später können sie sich nicht mehr an ihn erinnern, als er mit blutender Hand plötzlich im Garten steht. Er sich aber sehr wohl an sie: Klar, die quirligen Teilzeitbewohner des exzentrischen Ferienhauses aus Glas und Holz – Lizzie Clachan hat die «frühe Hüttenarbeit» eines «berühmten Architekten» auf die Basler Drehbühne gebaut – dürften schon damals zu sehr mit sich selbst beschäftigt gewesen sein, um ...
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Theater heute Februar 2017
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Eva Behrendt
Ständig wird man davor gewarnt und doch tun es alle: im Internet surfen und dabei – freiwillig oder unbewusst – jede Menge Datenspuren hinterlassen, aus denen sich intime Persönlichkeitsmuster und Konsumanfälligkeiten errechnen lassen. Die Münchner Theatermacherin Ana Zirner, die in der Vergangenheit schon unter Jugendlichen im Iran, Obdachlosen auf deutschen...
Es war wohl der letzte Klassenkampf vor dem unwiderruflichen Sieg des Neoliberalismus, aber er wurde so selbstherrlich beschlossen, dass von vornherein der Wurm drin war: Ohne Urabstimmung führte die britische Gewerkschaft NUM die britischen Bergarbeiter im März 1984 ein Jahr lang in einen zermürbenden Streik, der heute als Wendepunkt in der britischen Geschichte...
Warum wird man Terrorist? Warum setzt man sich mit einem Sprengsatz voller Schrauben vor dem Bauch in ein vollbesetztes Restaurant und jagt sich in die Luft, damit mehrere Dutzend unschuldige Mitmenschen in Stücke gerissen werden? Vielleicht, weil der eigene Bruder vorher von israelischen Sicherheitskräften während seiner Hochzeit hinterrücks erschossen worden ist?...
